Eine Ode an Facebook

SNsCollage Ich gestehe: Seit einigen Tagen verspüre ich ein Kribbeln im Bauch. Vielleicht habe ich mich verliebt. Noch will ich es mir eventuell nicht ganz eingestehen, aber doch, es könnte sein. Es wäre das erste mal, dass ich mich einem Social Network geschlagen gebe. Aber mir scheint: Facebook hat dieses Potential.

Ich habe schon ein paar durch, genauer gesagt bin ich ein Internetkind der, naja, zweiten Stunde. Ich kenne noch klassische Forencommunities und als Uboot seinerzeit neu war, hatte ich dort einen Emailaccount – die ganzen „make friends“-Optionen interessierten mich nicht weiter. Dann lange Zeit nichts und irgendwann dann OpenBC, jetzt Xing. Das war grade heiß als ich mein Praktikum in der Cosmopolitanredaktion machte und natürlich schaute ich mal rein. Vermutlich ganz nützlich, aber irgendwie mochte der Funke nicht überspringen. Außerdem kostete es Geld und als Praktikant und dann Student ist dies die knappeste Ressource. Das gleiche Problem hielt mich dann auch davon ab, ein Fan von StayFriends zu werden.

Dann boomte StudiVZ und daher war für meine Altersgruppe auch jedes Stayfriends überflüssig (weshalb es auch keine lange Halbwertszeit haben wird). Anfangs war es ganz nett – dieser und jener alte Schulkamerad, ein neuer Mitstudent da, der macht nun dies und jener das. Ja, ein paar Tage war es ganz kurzweilig, sich so voyeuristisch zu betätigen. Aber allmählich schwand der Reiz. Nachrichten kann ich auch via Email verschicken, außerdem gibt es ja das Telefon. Gruppen sind kaum zur Diskussion geeignet, da das Forensystem nichtmal mit dem schlechtesten kostenlosen Forenhoster mithalten kann, und stellen somit kaum mehr da, als ein einzeiliges Statement auf dem eigenen Profil.

Somit ist mein derzeitiges Nutzungsverhalten dieses: alle paar Tage gucke ich bei StudiVZ rein, immer wenn ich grad dran denke, und sehe: Ah, wieder keine Nachricht, nichts auf der Pinwand und tschüß. Es bietet schlicht keinen wirklichen Mehrwert. Außer vielleicht dann und wann, wenn mich ein Freund anruft und sagt: „Mensch, da hab ich ein heißes Mädchen kennengelernt, guck dir die mal bei StudiVZ an“. Dann gucke ich nach, fühle mich als Voyeurist aber denke: Wer sein Profil nicht schützt ist ja auch selber schuld. Dank dieser eigentlichen Entäuschung haben mich dann Wer kennt wen, Lokalisten und Co. nie wirklich gereizt.

Und so waren bis vor ein paar Tagen Social Networks zwar immer irgendwie da, aber auch stets irgendwie ohne Relevanz und ohne Nutzwert. Aber nach immer mehr positiven Berichten über Facebook, etwa hier oder hier, gab ich dem StudiVZ-Vorbild auch mal eine Chance. Nach ein paar Minuten waren meine Gedanken: Wow! Cool. Was das alles kann! Oh, sowas gibt es auch, wahnsinn! Warum hat StudiVZ sowas nicht? Applications, ist ja cool.

Was es ist, das mich so euphorisch stimmt? Die Fähigkeit von Facebook, alle möglichen anderen Inhalte seiner eigenen Webaktivitäten zu bündeln und auf einer Seite zu aggregieren, was Facebook dank seiner offenen Struktur und den so möglichen Applications kann. Das ist durchaus clever uns sehr relevant, denn erstmals kann ich wirklich simpel mein getwittere, meine Bloginhalte, meine Bookmarks etc. zusammenführen und mir so eine universelle und (ganz wichtig:) kontrollierbare Webidentität schaffen.

BlogTwitFB

Das aber alleine ist erst der halbe Clou. Wirklichen Mehrwert bietet Facebook erst dadurch, dass all diese Aktivitäten in Form des Mini-Feeds gebündelt werden und automatisch in meinem Netzwerk weitergeleitet werden. Während man also für wirkliche Neuigkeiten in seinem Bekanntenkreis bei StudiVZ mühsam jedes Profil abklappern muss, in der Hoffnung, dass die Leute sowas auf die eigene Pinwand schreiben, weil es Minifeeds eben nicht gibt, bekommt man es bei Facebook geliefert. Es ist, reduziert auf einen Satz, nicht mehr und nicht weniger als die Schaffung eines automatisierten Kommunikations- und Neuheitennetzwerks zwischen Menschen.

NewsfeedFB

Das finde ich äußerst spannend und extrem nützlich. Warum die Liebe trotzdem noch nicht voll entbrannt ist? Nun, noch habe ich kaum ein Netzwerk und bemühe mich erstmal darum, die Schaar der StudiVZ-Jünger zu bekehren. Dann wird sich das begeisternde Konzept in der Praxis bewähren müssen. Allerdings spricht vieles dafür, dass dies durchaus gelingen kann. Schöne neue Welt!

Thomas Euler


  1. Für jemand der die Social Netwroking Welt nur vom Erzählen kennt machst du hier ja gut werbung für Facebook. Wie so ziemlich jeder seit einem halben Jahr, grqad noch so auf den Zug aufgesprungen was ;)

    Dann bekehre mal die Studi Jungs und erkläre manch Internetneuling die Funktionen in Facebook und warum das schlanke Studivz niht mehr so toll ist.

    Ansonsten: Dann bist du ja Nr. 400.000 der deutschen Facebook-User.

  2. ThomasE

    Wie gesagt, meinen ersten Kontakt mit einem Social Network hatte ich schon vor einigen Jahren. Und wie ebenfalls gesagt, konnte mich bis dato keines davon überzeugen, weil mir die Funktionalität nie ausreichte. Dabei habe ich durchaus einige durch – also nichts „nur vom Erzählen“.

    Nun hatte ich nur auch nie das Verlangen Facebook auszuprobieren, da es ja als StudiVZ-Vorbild galt und ich nicht wesentlich mehr davon erwartete – bis ich eben an verschiedenen Stellen immer wieder positives hörte und der Sache mal eine Chance gab Und mich überzeugt es bis dato. Nenn StudiVZ schlank, ich nenn es magersüchtig – aber das ist ja Ansichtssache.

    Darum gehts hier auch gar nicht, mich interessiert vielmehr die Frage, wie sich der Markt entwickeln wird und wer die Konsolidierung, die kommen wird, überlebt und wer nicht. Und dieses Rennen wird dadurch entschieden werden, wer es schafft, langfristig die User an sich zu binden und das klappt eben nur durch die Schaffung eines echten Nutzen. Was das Anbelangt ist Facebook in meinen Augen eben ganz vorne mit dabei, auch wenn ich nicht all die aberhunderten von SNs die es gibt durch habe.

  3. Billy

    Klar ist StudiVZ mager, aber dadurch auch wesentlich einfacher in der Bedienung!

    Nimm eine gut aussehende 20 jährige, die sich wenig mit dem Internet beschäftigt… Bei der Bedienung von Facebook wird es mehr Komplikationen geben!

    Nun im Jahr 2009 halte ich Facebook auch für die wesentlich bessere Plattform, StudiVZ kopiert einfach zu langsam :D




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