Meine andere Welt

In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass ich mich mit lieben und klugen Leuten unterhalte und feststelle, dass ich in einer anderen Welt lebe. Dieses Gefühl kommt zumeist dann auf, wenn es um das Thema Internet und Kommunikation geht.

Es fängt manchmal schon bei ganz simplen Dingen an – beim Wort „Blog“ zum Beispiel. Ich weiß nicht, wie vielen Leuten ich schon erklären musste, was ein Blog ist. Während also viele Leute nicht mal wissen, worum es sich dabei handelt, ist es für mich alltäglich, eine Vielzahl von Blogfeeds in meinem Feedreader zu lesen. Blogs zählen genauso zu meinen normalen Informationsquellen wie etwa Tageszeitungen (primär natürlich deren Onlineausgaben).

Ebenso normal, beinahe schon trivial, ist in meiner Welt das Nachschlagen eines Begriffs bei Wikipedia. Oder, bei entsprechender Zeit, auch mal das ziellose Stöbern und Sich-Treiben-Lassen beim klicken durch die Enzyklopädieartikel. Bei weitergehendem Interesse an einer Thematik habe ich dann binnen weniger Minuten entsprechende Fachartikel, Meinungen, etc. auf meinem Bildschirm – Google sei dank. Daher kommen mir Aussagen von Mitmenschen, wie etwa: „Vor ein paar Tagen musste ich an Stefan Zweig denken – weißt du noch, wie seine zweite Erzählung hieß?“, komisch vor. Mit zwei bis drei Mausklicks wäre die gefragte Information ohne Probleme verfügbar gewesen.

Dies sind dann die Momente, in denen ich vor Augen geführt bekomme, dass ich dem gemeinen Bürger um einige Zeit voraus bin, was meine Internetnutzung anbelangt. Dies sollte man sich, grade als digital vernetzter Mensch wie ich es bin, immer vor Augen führen. Denn allzu schnell verliert man andere im Gespräch, wenn sie den eigenen Gewohnheiten nicht folgen können.

Meiner Mutter etwa die Vorzüge der Kommunikation mit Hilfe von Twitter erklären zu wollen, wäre vermutlich ein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Zunächst müssen die Grundlagen gelegt werden: Instant Messaging, Google Alerts, etc. Dann kann man weiter sehen. Bei anderen Themen wie UGC oder Tagging dürfte es ähnlich aussehen.

Ich möchte behaupten, dass ich in Sachen Informationsverwaltung und -organisation dank meines digitalen Lebensstils durchaus Vorteile gegenüber jemandem habe, der nicht so arbeitet wie ich. Also Interessantes bookmarken, mit Tags versehen, ein Blog betreiben, Informationen nicht suchen sondern dank RSS geliefert bekommen, Beziehungen mit modernen Kommunikationstools pflegen, etc. Daher versuche ich, andere Leute aufzuklären und sie mit diesen Dingen vertraut zu machen.

Auf der anderen Seite ist dies aber keine einfache Sache und Fakt ist: der Großteil der Menschen geht mit Informationen eben noch anders um. Dies letztlich muss man immer dann bedenken, wenn man professionelle Kommunikationsmaßnahmen plant. Es ist nämlich verlockend zu denken, das Internet richtet es schon, doch ist dies eben nur für manche Bezugsgruppen richtig. In einer breit angelegten Maßnahme würde ich also keineswegs aufs Fernsehen verzichten – auch wenn ich privat ein entsprechendes Empfangsgerät aus meinem Leben verbannt habe. Wozu gibt es schließlich das Internet?




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