Ein Blick auf Bialex.com

Die Süddeutsche berichtet über ein neues Start-up aus Deutschland, das auch ein Stück vom Websuch-Kuchen haben möchte. Bialex nennt sich das Ganze und soll, wie im Artikel steht, laut Branchenkennern ganz gute Aussichten auf Erfolg haben. Also hab ich mich mal genauer umgeguckt.

Wie funktioniert das Konzept? Nun, erstmal werden nur Inhalte gefunden, die vorher von Usern angelegt werden, eigentlich also der klassische Katalog. Das solche usergefütterten Suchdienste problematisch sind, hat etwa Robert hier bereits ganz zutreffend veranschaulicht. Erschwerend kommt im Fall von Bialex noch hinzu, dass der User für seinen Eintrag auch noch Geld bezahlen soll – einen Euro pro Monat. Das Besondere, von den Machern als Innovation deklarierte, ist nun, dass bei Bialex (was sich aus Bibliothek und Alexandria zusammensetzt) Treffer als Bücher dargestellt werden. Das sieht nicht nur hässlich aus, sondern man fragt sich auch: Wo ist hier der Nutzen?

Bialex.com

Ich gebe also einen Begriff ein, muss dann erst mühsam über die Buchrücken scrollen, bekomme dann erst den Titel der Seite und die Kurzinfo angezeigt. Wenn ich allerdings auf die Seite gelangen will, muss ich erst auf das Buch klicken. Dieses öffnet sich dann und ich bekomme das Impressum des „Autors“ gezeigt; erst hier finde ich den (oder die) Link(s).

Hier liegt im Übrigen noch eine Schwäche: das Bezahlen + Impressum führt dazu, dass nur der Seiteninhaber selbst eintragen wird. Das schnelle Wachstum, was ein Suchdienst bitter nötig hat, wird so wohl kaum realisiert werden. Und Community wird, anders als von den Machern gewünscht, schon gar nicht aufkommen. Da ändern auch die ersten drei Monate Kostenfreiheit nichts. Einziger Pluspunkt: zu einem „Thema“ (ich glaube, um solche Themenfelder sollen sich die Bücher drehen – irgendwie so wohl der Gedanke) können mehrere Links eingefügt werden, von Website über Blog bis zur PDF.

Dann steht da noch was davon, „dass es das erste Internettool ist, welches den Semantischen Code geknackt hat“. Bullshit, es übersetzt nur Begriffe in andere Sprachen und kann daher gewisse Doppeldeutigkeiten wie Schloss im Sinne von Türschloss oder teurem Haus umgehen, denn es kennt die Begriffe auch als z.B. also castle oder lock im Englischen. Andererseits umgeht es nicht wirklich was dadurch, denn wenn ich eben nach Schloss suche, weiß das System immer noch nicht, welches von beiden ich nun meine. Wirkliche Semantik im Netz geht anders.

Sonstiges? Die Site kommt äußerst hässlich daher und ist teilweise unübersichtlich (zum Finden der Registrierung habe ich bestimmt 2 Minuten gebraucht). Dann gibt es noch irgendwie was mit so einem Code – soll wohl an ISBN-Nummern erinnern. Wer dies aber warum benutzen sollte? Keine Ahnung. Der Name, dessen Herleitung ja schön und gut ist, erweckt bei mir übrigens auch erstmal ganz andere Assoziationen. BiAlex.

Prognose: Außer Unternehmen wird sich kaum jemand dort anmelden. Eine breite Community wird sich aus oben genannten Gründen auch nicht bilden. Wenn nicht massiv überarbeitet wird, dürfte kaum mehr als ein Schattendasein drin sein. Tiefer Schatten. Ich werde da lieber die Googlesuche nutzen, die dankbarer Weise – wohl als Highlight – auf der Startseite ebenfalls eingebunden wurde.

Fazit: Schande auf das Haupt der oben genannten Branchenkenner und des Süddeutsche-Redakteurs, der wohl eher aus der Pressemitteilung abgeschrieben hat ohne selbst zu gucken. Oder wie darf ich es verstehen, dass der Klick auf Presse bei Bialex direkt zu dem Artikel führt? Und zuletzt sollte sich der zuständige PRler schämen, der zwar große Töne spuckt, doch kaum was dahinter hat.


  1. Recht so !!!

    Ihrer Einschätzung kann ich nur zustimmen. Allerdings habe ich keinen Nerv, mich dort zu registrieren, um Ihre Gefühle nachzuvollziehen. Dazu kommt Ihre Kritik wesentlich überzeugender daher als der Auftritt dieses Projektes.

    Hätte ich 100.000 Euro Spekulationsgeld, so würde ich es in PR-Inter.net pumpen. Hab‘ ich aber nicht! Das Mitmachen dort ist kostenfrei – aber nicht einmal auf ebay habe ich mit meinem Angebot nennenswerte Resonanz erzeugt.

    Ist es nun schwer oder gar unmöglich, kreativ und innovativ vorzugehen, um Menschen etwas Nützliches zu bieten? Wohl kaum! Es bedarf lediglich eines Riesenaufwandes, um mit irgendeinem Blödsinn den Markt zu penetrieren. Qualität ist zweitrangig. Beispiele gibt es zuhauf.

    Hans Kolpak
    Biß der Woche

  2. ThomasE

    Worin die Innovation bei Ihrer PR-Plattform bestehen soll, müssen Sie mir dann aber doch mal genauer erklären. Sieht für mich ganz nach einer PR-Hosting-Site wie die ganzen anderen auch aus.




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