Zukunft der Informationsverwaltung in Gefahr?

Seit nunmehr über einem Jahr streiten sich die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit dem Perlentaucher vor Gericht. Dabei geht es um die Art und Weise, wie der Perlentaucher die Rezensionen der beiden Blätter zusammenfasst und mit kommerziellen Interessen weiterverarbeitet. Die Methode der Perlentaucher-Redaktion ist es, Textstücke aus den verlinkten Originalen zu nutzen sowie deren Inhalte mit eigenen Formulierungen verknappt widerzugeben. SZ und FAZ klagen nun, da Sie befürchten, dass es künftig überflüssig wird, ihre Rezension zu lesen.

Nachdem das Landgericht Frankfurt die Klage im November 2006 abgewiesen hat, wird das Oberlandesgericht Frankfurt am 11. Dezember sein Urteil verkünden. Da den klagenden Parteien signalisiert worden war, ihre Anträge zu überarbeiten, wird ein Urteilsspruch zu Ungunsten des Perlentaucher erwartet. Für die deutsche Blogosphäre würde ein solches Urteil sicher nicht ohne Folgen bleiben. Die gängige Praxis, größere Versatzstücke aus anderen Artikeln zu zitieren und diese nur kurz selbst einzuleiten, könnte dann juristisch fragwürdig sein. Ebenso betroffen wären Aggregatoren-Dienste, die RSS-Feeds in Kurzform einbinden oder Abstracts zu Artikeln anbieten. Besonders interessant wird das Urteil daher im Hinblick darauf sein, wieviel Eigenleistung ein Beitrag beinhalten muss, um als rechtlich einwandfrei zu gelten. Denn der Perlentaucher schreibt mitnichten komplette Texte ab, sondern formuliert viel selbst – allerdings eben auf Grundlage des Originals, ohne dessen Aussageintention etwas Neues hinzuzufügen.

Natürlich kann man sich ohnehin Fragen, worin denn der Wert von Medien besteht, die wenig bis keine originären Leistungen schaffen. Auf den ersten Blick mag man geneigt sein zu sagen: Sie haben keinen. Dies jedoch ist kurzsichtig und übersieht den wichtigen Aspekt der Informationsverwaltung. Denn in der Flut der Nachrichten und Informationen, die jeden Tag auf einen einprasseln, ist es kaum möglich, sich ohne entsprechende Hilfsmittel einen geeigneten Überblick zu verschaffen. Jeden Tag alle relevanten Medien selbst zu durchforsten und nach interessanten Meldungen zu filtern ist nahezu unmöglich. Also braucht es entsprechende Dienste wie beispielsweise RSS oder eben den Perlentaucher.

Diese ermöglichen es, selektiv die Informationen zu finden, die man tatsächlich benötigt und erleichtern ein effektives Monitoring somit extrem. Davon profitieren dann nicht zuletzt die Medien selbst. Denn ihre Meldungen verbreiten sich durch Blogs & Co. ungemein und finden dadurch auch zu Menschen, die von selbst nie auf diesen Artikel gestoßen wären. Daher sind derartige Dienste schon heute von extremer Bedeutung für die Informationsverbreitung. Dies allerdings scheint in den klassischen Medienhäusern noch nicht wahrgenommen zu werden.

Beide Parteien haben allerdings bereits angekündigt, nach dem Urteil in Revision zu gehen. Letztlich entscheiden wird den Fall daher der BGH. Es bleibt also spannend.

Thomas Euler




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