Wie sich die "Social Media Branche" positionieren sollte

Den folgenden Beitrag habe ich eigentlich als Kommentar zu diesem Artikel im neuen Lifestream von Talkabout/Mirko Lange veröffentlicht, und will ihn hier – in leicht weiterentwickelter – Form nochmals einstellen und vielleicht zu einer interessanten Diskussion anstoßen kann.

Was ist überhaupt ein „Social Media Berater“? Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass ein „richtiger“ Social Media Berater in mehreren Disziplinen firm sein muss. Einerseits braucht er ein tiefes Verständnis von Marketing und Marketingkommunikation im Speziellen. Nun kann man sich sicherlich trefflich darüber streiten, ob Social Media eher eine Aufgabe der Werbung oder der PR ist – was in Form von Zuständigkeitsdebatten in den Unternehmen auch Alltag ist – ich bin in dem Punkt jedenfalls der Meinung: Die Mischung machts.

Auf der einen Seite ist Social Media bereits im Kern dialogisch angelegt, weshalb es sicherlich eine andere Denke erfordert, als klassische Werbung. Auf der anderen Seite ist es in meinen Augen ebenso notwendig, eine gute Portion an Marketingwissen mitzubringen (was im Übrigen für jeden PRo gelten sollte). Schließlich berührt Social Media eine ganze Menge Bereiche, von der externen Kommunikation bis hin zu neu gewonnen Insights für R&D.

Hinzu kommt, dass sich ein Social Media Berater, wie der Titel ja schon sagt, sicher in den Social Media bewegen muss. Das fängt damit an, dass er die unterschiedlichsten Tools kennen, beherrschen und erklären können muss und geht soweit, dass er ihren Einsatz strategisch planen, kreativ umsetzen und schließlich auswerten muss. Damit greift dann der Begriff des „Beraters“ letztlich zu kurz, denn er ist Berater, Creative Director, Strategist, Concepter und Analyst.

Die nächste Frage ist die nach der Sinnhaftigkeit, überhaupt von einem Social Media Berater (oder was auch immer) zu reden. Was spricht dagegen? Der Begriff schränkt ein und isoliert. Es redet ja auch niemand von einem Pressemitteilungsberater. Über Jahre haben sich Praxis und Wissenschaft, zum Teil extrem Mühsam, einen komplexen Ansatz von integrierter Kommunikation angeeignet, der lehrt, Kommunikationsmaßnahmen nicht isoliert sondern eingebettet in ein kommunikatives Gesamtkonzept zu betrachten. Warum sollte man Social Media davon ausklammern?

Natürlich ist Social Media ein neues Feld und erfordert Spezialisten, die damit umgehen können. Ebenso klar ist, dass es heute zur Differenzierung taugt, sich das Attribut des Social Media Experten zu geben (so man es denn wirklich ist) um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Doch wer Social Media kann, verfügt über einen breites Spektrum: Er ist des Schreibens mächtig (Blog), beherrscht Audio (Podcasts) und kann Bewegtbild zumindest planen (Viral Videos). Die Konvergenz der Medien macht’s möglich und nötig. Demnach ist der Social Media „Berater“ falsch beraten, wenn er sich selbst als Ghosttwitterer sieht und verkauft. Er ist (bzw. sollte sein) ein vollwertiger Kommunikationsexperte, der – im Gegensatz zu vielen alt eingesessenen Vertretern seiner Zunft – eben auch in der dramatisch gewandelten Medienlandschaft sicher zurechtkommt. Was heute noch zur Abgrenzung und als USP taugt, wird in einigen Jahren (spätestens) Grundvoraussetzung sein, um in der Kommunikationsbranche überhaupt noch Fuß fassen zu können.

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass sich unsere Branche in meinen Augen bewusst machen muss, dass sie letztlich die Aufgabe hat, Unternehmen in den turbulenten Zeiten der Medienrevolution zu begleiten und ihnen dabei helfen, sich strategisch(!) neu aufzustellen. Denn die Konsequenzen dessen, was wir gerade erleben, gehen doch weit über bloße Kommunikation hinaus. In Zeiten zunehmender Transparenz müssen Unternehmen sich natürlich überlegen, wie sie künftig vorgehen wollen bzw. können. Manche Kommunikationskrise käme gar nicht erst zustande, wenn im Vorfeld anders gehandelt worden wäre. Viele Geschäftsmodelle sind derzeit arg am wanken – nicht zuletzt auf Grund dessen, was sich momentan im Internet abspielt. Kunden fordern mehr Offenheit, sind aber auch gewillt, Input zu liefern, den Unternehmen in verschiedensten Bereichen verwenden können. Dies sind nur einige Felder, in denen es in meinen Augen keinen besseren Partner und Berater gibt als die, die all diese Entwicklungen hautnah miterleben. Hier müssen wir wirken.

Thomas Euler



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