Archive for the ‘Kommunikation’ Category

Die Frage nach Kennzahlen, KPIs oder wie immer man sie taufen mag, taucht immer wieder auf. Hier ist die Rede davon, Social Media brauche gar keine Kennzahlen, es ginge schließlich um authentische Beziehungen, dort ist die Rede vom „Return on Engagement“. Dabei sollte jedem einigermaßen auf dem Boden der Tatsachen verhafteten Kommunikationsarbeiter klar sein: Im professionellen Kontext ist kein Vorbeikommen daran, den eigenen Beitrag zum Gesamtwohl des Unternehmens unter Beweis zu stellen – und der hat in aller Regel einen Bezug zum schnöden Mammon.

Daher führ kein Weg umhin, sich an Hardfacts – und das heißt in letzter Konsequenz nichts anderes als ROI – messen zu lassen. Eine allgemeingültige Formel dazu kann man schwerlich formulieren, zu feingranular sehen in der Praxis die Aufgabenstellungen und die damit verbundenen Zielsetzungen aus. Allerdings ist das Web im Grunde ein Segen für jeden Fan quantitativer Resultate: So präzise, wie es online heute möglich und vergleichsweise einfach ist, ließen sich die Ergebnisse der Kommunikationsbemühungen in der Klassik schlicht und ergreifend nicht messen. (Darin im Übrigen mag auch die Krux liegen: Setzt sich diese Erkenntnis durch, ist Kommunikation mehr denn je verpflichtet, Ergebnisse zu liefern.)

Die größte Herausforderung fürs Controlling von Social Media Kommunikation ist daher, sinnvolle Metriken zu entwickeln. Diese sind individuell von den gesetzten Zielen abhängig, können deren Erreichen (oder Verfehlen) jedoch um ein vielfaches besser dokumentieren, als es etwa ein Werbeäquivalenzwert jemals konnte. Je nach Zielsetzung muss man allerdings über den Horizont „online“ hinausgucken. Dazu gehört zum Beispiel, den „Kanal“ Social Media – simple as it is – in meine sonstigen Marktforschungsaktivitäten (CATI, CAPI etc.) zu integrieren. Im Zweifel – und daran scheitert es in der Praxis leider häufig – ist dazu jedoch ein gewisses Budget von Nöten, das in meinen Augen jedoch gut investiert ist.

Doch es gibt auch simplere Indikatoren, die sich mit weitaus weniger Aufwand messen lassen. Zwei davon will ich vorstellen und in die Diskussion einbringen – etwas handfestes sozusagen. Beide Kennziffern sind bei weitem kein Hexenwerk oder „Rocketscience“, eigenen sich aber sehr gut, die Effizienz von Social Media Aktivitäten auszuwerten:

Kosten pro (relevantem) Rezipient (Cost per (relevant) recipient  = CP(r)R)

CP(r)R = Kosten der Kommunikation / Anzahl der (relevanten) Kontakte

Kosten pro Interaktion (Cost per interaction = CPI)

CPI = Kosten der Kommunikation / Anzahl der Interaktionen

Beide KPIs sind jeweils pro eingesetztem Social Media Kanal zu berechnen.

Beide Kennzahlen sind recht grundlegende Kenngrößen, stellen jedoch einen guten Einstieg für jedes Controlling-Vorhaben dar. Sie sollten also nicht ausschließlich genutzt werden, sondern im Verbund mit zielspezifischen Indikatoren.

Dennoch gibt es ein paar Fragen, die möglicherweise auftauchen könnten. Zum einen: Was sind die „Kosten der Kommunikation“? Theoretisch wäre es möglich, die Kosten jedes einzelnen Tweets oder Statusupdates zu berechnen (die Zeit die aufs Erstellen des Inhalts verwendet wurde ausgedrückt in Kosten). Allerdings ist dies in den meisten Fällen weder praktikabel noch zielführend. Mehr Sinn macht es, beide Kennzahlen wöchentlich zu erheben. Dazu nehme man schlichtweg den Geldwert der eingesetzten Ressourcen (zumeist Arbeitszeit).

Die Zeitspanne von einer Woche bietet sich übrigens an, da die Erhebung so auch im Alltag handhabbar ist, sich im Fall des CP(r)R die Zahl der Kontakte in diesem Zeitraum jedoch in der Regel nicht so stark verändert, als dass es sich auf das Ergebnis signifikant auszuwirken würde. Wenn doch, kann man den Mittelwert zwischen der Kontaktanzahl zu Beginn und Ende der Woche nutzen.

Der zweite Knackpunkt beim CP(r)R ist die Frage nach der Aussagekraft, die natürlich dadurch gesteigert wird, ausschließlich relevante Kontakte in die Rechnung einzubeziehen – daher auch das komische „r“ in Klammern. Will man nur diese in die Formel einfließen lassen, empfehle ich folgendes Vorgehen: zu Beginn der Social Media Aktivitäten einen Durchschnittswert von Spam- oder aus anderen Gründen irrelevanten Followern zu ermitteln, und diesen Wert künftig zu diskontieren.

Thomas Euler

Below you’ll find an essay I have recently written. Frankly speaking, I evaluate the debate between journalists and PR professionals. It seems that journalists like blaming PR people, not least because they are an easy target. Isn’t it obvious? Those damn PR guys – ‚the dark site‘ – want to influence, no, manipulate public opinion and perceptions, and it is the poor journalist who suffers. In the essay at hand I try to figure out if this thesis is really the case.

Since it is a somewhat lengthy and academic piece, I decided to upload it to Slideshare as a PDF. Either you can read it there in the player or download it. I think it is the most convenient way to access the PDF especially because it has a nice layout and a great readability. Alternatively, for all those who prefer reading it directly on the blog I also published the text here. You find it after the break. Please note however, that the list of references is missing here and can only be found in the PDF.

Either way, let me know your opinion in the comments!

Thomas Euler (@Twitter: ThomasE)

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Vor einigen Tagen las ich im PR-Blogger einen interessanten Beitrag von Christoph Bauer (an dieser Stelle übrigens Glückwunsch an meinen Nachfolger als Praktikant 2.0). Er befasst sich mit dem Thema, wie und warum Studenten Social Media für sich nutzen können und vor allem, welche Grundregeln sie zu beachten haben. An seine Aussagen möchte ich hier anknüpfen und mich der Frage widmen, wie denn Konkret eine Strategie aussehen kann, die Studenten dabei hilft:

  • sich frühzeitig für Arbeitgeber interessant zu positionieren,
  • ein Netzwerk im künftigen Berufsumfeld zu knüpfen,
  • sich über das Studium hinaus in relevanten Fachgebieten weiterzubilden.

Wer daran interessiert ist, der Erreichung dieser Ziele näher zu kommen und weiterliest, der wird praxiserprobte Antworten auf Fragen finden wie: „Welche Tools und Services sollte ich benutzen?“ oder „Wie sollte ich die  unterschiedlichen Tools einsetzen?“.

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Die Fortsetzung des ersten Teils, der u.a. die Frage behandelt, ob wir uns dank des Internets zu einer Gesellschaft der falsch Informierten wandeln.

Stellt das Internet eine Gefahr für den Journalismus dar, weil nun jeder publizieren kann?

Nein. Für kompetent recherchierte, gut aufbereitete Information wird es immer Bedarf geben, daran ändert auch das Medium Internet nichts. Einzig wird sich der Distributionskanal verstärkt in Richtung Web verlagern. Mit hinein in diese Fragestellung spielt auch die von vielen Journalisten bravourös kultivierte Angst vor der Ersetzung der Tageszeitung durch die Blogosphäre.

Warum allerdings muss von einem Ersetzen die Rede sein? Oder gar von einer Abschaffung des Journalismus? Aufgabe des Journalisten ja mitnichten das Füllen von Papierseiten mit Druckerschwärze, sondern die Schaffung von Inhalten, die hintergründige Aufbereitung von Informationen und eben als 4. Gewalt die Willensbildung der Bürger zu ermöglichen. Das Medium ist dafür zunächst sekundär.

Was ich durchaus glaube ist, dass im Bereich der Tageszeitungen Printprodukte über kurz oder lang hinfällig werden. Im Gegensatz zum Buch etwa, dessen Lesen ein Erlebnis darstellt und Muße erfordert, die man in Front eines Bildschirms nicht hat. Doch der primäre Nutzen einer Tageszeitung ist der Zugang zur Information. Eines der entscheidenden Gütsiegel für Information ist ihre Aktualität. Es ist ziemlich offensichtlich, dass diese im Internet wesentlich höher ist.

Wiese also sollte sich ein weniger aktuelles Medium langfristig halten können? Die Haptik der Zeitung? Wohl kaum. Etwa im Unterschied zum Hochglanzmagazin. Der vielzitierte Qualitätsjournalismus, der online angeblich nicht stattfinden kann? Ebenfalls nicht. Denn auch im Netz gibt es schon heute sehr hochwertigen Content – nur eben oftmals nicht bei den etablierten Medien, die ihre Nutzer lieber auf lange Klickstrecken schicken als ihnen auch im Internet ein gutes Feuilleton und ihre besten Autoren zu bieten. Die bewahren Sie für die Printausgaben auf, um noch einen letzten USP für sie zu schaffen. Doch auch dies wird sich ändern. Denn mit einer weiter zunehmenden Verlagerung der Werbebudgets ins Internet, wird es zunehmend lukrativer, dort präsent zu sein. Und da hochwertige Inhalte auch im Netz entscheidend sind, werden die Medienhäuser gar keine andere Wahl haben.

Letztlich muss sich also die Einsicht breit machen, dass das Internet nichts weiter als ein Kanal ist, auf dem ich Inhalte transportieren kann. Nur ist er den altbekannten Kanälen in vielerlei Hinsicht überlegen. Er ist aktueller. Er ist wesentlich günstiger als Print, was Grenzkostenfetischisten jubeln lässt. Er ist dialogisch (keine Angst vor dem Leser – er ist immerhin euer Kunde. Kostenlose Marktforschung sollte doch eigentlich Grund zur Freude sein. Und dann erst der Nutzen für die Meinungspluralität…). Er ist vernetzt. Ein Vorteil im Übrigen, der in nahezu jedem Onlineauftritt einer Zeitung oder eines Magazins viel zu wenig genutzt wird. Klar, die wollen ihre User schön bei sich behalten, doch sinnvoll und im Sinne der Leser ist das nicht. Wie müßig war es im PräLink-Zeitalter, sich die Quellen eines Berichts selbst mühselig zusammenzusuchen und wie einfach könnte es heute sein? So ließe sich die Liste noch um einiges fortführen.

Warum also die Angst vor dem Netz? Ebenso kann man es doch als wunderbare Chance betrachten. Jeder Journalist, der seinen Job liebt, sprich gerne schreibt, gerne informiert und gerne Denkanstöße gibt (bestenfalls sogar gerne neue Denkansätze findet?), sollte eigentlich verliebt ins Internet sein. Darüber, woran es liegt dass die meisten es nicht sind, kann jeder für sich selbst nachdenken.

Im Internet kann jeder schreiben und veröffentlichen, was er will. Wie soll man als Unternehmen da noch die Kontrolle über seine Kommunikation behalten?

Gegenfrage: Hatten Sie jemals wirklich die Kontrolle über die Kommunikation? Hat nicht Lieschen Müller schon immer im Dorf herumerzählt, wie miserabel ihr kürzlich erworbener Haartrockner ist? Haben die Menschen nicht schon immer mehr auf die Meinung von persönlich Bekannten vertraut, als auf die Botschaften der bunten, glitzernden Werbung? Klar haben sie.

Genau dies findet nun eben im Internet statt. „Schrecklich!“, könnte man sagen: „Da lesen das ja viel mehr Menschen!“. Stimmt. Könnte man. Alternativ kann man die Sache aber auch so betrachten: Erstmals haben Sie die Chance, mitzubekommen was die Leute über Sie reden und denken. Eine Gelegenheit, die Sie nie hatten, wenn Lieschen in Buxtehude mal wieder über ihren Haartrockner herzog.

Und natürlich können Sie nicht nur mithören, was die anderen sagen, sondern sie können mitreden. Beispielsweise Frau Müller erklären, dass sie die Plastikversiegelung schon entfernen muss, bevor ihr Haartrockner funktioniert. Oder aber, Sie entschuldigen sich für die Probleme und schicken ihr ein neues Gerät zu. Den zufriedenen Blogeintrag über ihren tollen Kundenservice gibt es übrigens gratis dazu.

Auf der Web 2.0 Mittelstandskonferenz fiel der Satz:

Wer Kommunikation beeinflussen will, muss Teil von ihr werden.

Denken Sie drüber nach.

Thomas Euler

Am Dienstag hatte ich Rahmen der Web 2.0 Mittelstandskonferenz ein interessantes Gespräch mit einigen eher skeptischen Menschen zum Themenkomplex Informationen aus dem Netz. Dabei ging es um diverse Punkte die ich hier in zwei Teilen näher beleuchten will. Leider mit etwas Verspätung, allerdings ist meine Zeit momentan ziemlich knapp und zum Befüttern des eigenen Blogs bleibt leider weniger, als ich es gerne hätte. Man sehe es mir nach.

Wenn Menschen anfangen, sich nur noch über ihre jeweiligen, ganz speziellen Interessensgebiete zu informieren, indem sie entsprechende Kanäle beispielsweise via RSS abonnieren – geht dann die Grundlage für einen gesellschaftlichen Dialog über generelle Themenfelder verloren, weil eine gemeinsame Informationsbasis fehlt?

Eine absolut spannende Frage. Driften wir in eine Welt ab, in der es nur noch ganz diversifizierte Communities gibt, denen eine verbindende Gesprächsbasis fehlt? Nun, heutzutage ist es sicherlich möglich, sich nur noch in ganz bestimmten Fachblogs und -foren zu tummeln und daraus seine einzigen Informationen zu beziehen. Allerdings gibt es meines Erachtens nach zwei Punkte, die der These von einer totalen Zersplitterung der Informationsgesellschaft widersprechen.

1. Gibt es ein Grundbedürfnis des Menschen, mitreden zu können. Die Popularität von Gossipmagazinen und Co. unterstreicht dies. Beim Smalltalk im Aufzug, im Büro mit den Kollegen oder beim Besuch der Eltern: Man will mitreden können, über das, was aktuell passiert. Übrigens zieht sich dies sogar bis in die speziellsten Foren, deren Offtopic-Bereich in den meisten Fällen auch Gespräche über Bundestagswahlen oder die neusten Eskapaden von Paris Hilton beheimaten.

2. Ist die Spezialisierung ja mittlerweile kein brandneues Phänomen mehr. Auch vor 20 Jahren gab es schon Menschen, die Experten in ihrem Bereich (sei es Wissenschaft oder Hobby) waren und von speziellen Videos, Büchern bis zu Magazinen alles konsumierten, was es aus ihrem Fachgebiet gab. Waren das deshalb alles Fachidioten, mit denen ein Gespräch über andere Themen nicht mehr möglich war? Mitunter ja. Aber sicherlich nicht im überwiegenden Maße. Es ist letztlich jedes Menschen eigene Wahl, ob er sich in die Breite informiert oder nur ganz selektiv Inhalte wahrnimmt. Dies war noch nie anders. Das Internet erleichtert es natürlich ungemein, sich spezifisch zu informieren, doch wenn man sich die Zahlen anguckt, wer von diesen Möglichkeiten tatsächlich gebrauch macht, dann muss man feststellen: Die breite Masse tut dies noch nicht.

Führt das Internet zu einer Verbreitung von falschen Aussagen und Meinungen, weil Autoren mit mangelndem Fachwissen zu allem ihren Senf abgeben und die Leser ihnen alles glauben?

Sicherlich keine neue Kritik, aber eine, die sich lange hält und oft angebracht wird, wenn sich ein Gespräch um das Medium Internet dreht. Obwohl die Überlegung sicherlich nicht grundsätzlich falsch ist, ist sie auch keine Zwangsläufigkeit.

Zunächst ist entscheidend, dass gezielt, also etwa bereits in der Schule, an der Medienkompetenz der Menschen gearbeitet wird. Eine Information auf einem Blog kann falsch sein. Und eventuell ist die Gefahr, aufgrund einer mangelnden Überprüfung der Veröffentlichung, auch größer als im klassischen redaktionellen Umfeld.

Nur: Erstens gibt es auch aus ’seriösen Medienhäusern‘ oft genug Beispiele, die zeigen, dass auch dort falsches (gezielt?) verbreitet wird. Man gucke nur hier oder hier. Daraus resultiert, dass man als Rezipient stets und ständig seine Quellen hinterfragen sollte. Gleichgültig, ob es sich um ein Blog oder eine Tageszeitung handelt. Dass dies in der Realität viel zu wenig der Fall ist, gebe ich zu. Da hilft eben nur gezielte Bildung.

Zum zweiten stellen bei Weitem nicht alle Blogs private Motz- und Meckerorgane da, die auf jedwege journalistischen Qualitätsmaßstäbe verzichten. Man lese nur mal regelmäßig den Spiegelfechter. Und auch mangelndes Fachwissen ist keineswegs das neue Synonym für Blogger. Wissenschaftler wie Prof. Thomas Pleil oder erfahrene Praktiker vom Format eines Bob Batchelor betreiben exzellente Fachblogs und sind somit eine ideale Anlaufstelle, um sich mit einer Thematik näher auseinanderzusetzen. Natürlich gilt auch hier, niemals blind einer Information zu vertrauen. Wie gesagt allerdings, trifft selbiges für jegliches mediale Format zu.

Wie auch bei der herkömmlichen Presse kommt es eben auch bei Blogs darauf, welche ich denn lese. So wie sich die taz darüber ärgern würde, mit der Bild über einen Kamm geschoren zu werden, ist Blog eben nicht gleich Blog. Zunächst ist ein Weblog nämlich ein simples CMS und kann, wie jedes Blatt Papier, mit hochwertigem oder mangelhaftem Inhalt befüllt werden.

Zuletzt – auch wenn dies bestritten werden mag – reguliert sich das Netz eben doch zu einem gewissen Grad selbst. Diskussionen in Kommentaren, gegensätzliche Darstellungen auf anderen Blogs – all dies ist Ausdruck dieser Regulation. Natürlich ist hier wieder notwendig, dass der Leser eines Blogeintrags auch die Kommentare liest oder dem ein oder anderen Trackback-Link folgt. Wo wir wieder beim Thema Medienkompetenz wären.

In den nächsten Tagen folgt der zweite Teil, in dem es dann u.a. um die Frage gehen wird, ob Blogs eine Gefahr für den Journalismus darstellen.

[Update: Der zweite Teil ist nun online]

Thomas Euler

In den letzten Tagen bekam ich gehäuft Fragen gestellt, was Twitter eigentlich sei, warum ich twittere, was das Tool eigentlich bringen soll und warum ich mich so wichtig nehme, dass ich der Welt meinen Alltag mitteile. Und warum ich mich total transparent mache.

Vorneweg

Letztere Frage ist bei einem Dienst wie Twitter sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Doch es ist wie mit nahezu allen Dingen: Letztlich entscheidend ist, wie ich es nutze. Und ich achte genau darauf, was und wieviel ich via Twitter publik mache. Will man das Tool im professionellen Kontext nutzen, sollte man sich nämlich stets bewusst machen: Man agiert im öffentlichen Raum. Will man privates oder intimes twittern, sollte man seine Updates auf „protected“ stellen.

Eine kurze Erläuterung

Doch zunächst eine knappe Erklärung für all diejenigen, die den Dienst noch nicht kennen und wissen möchten, was es damit auf sich hat. Twitter ist ein sogenannter Microblogging-Dienst, ähnlich wie auch beispielsweise Jaiku oder Pownce. Die Funktionalität ist ziemlich simpel: In 140 Zeichen verfasst man einen kurzen Text und kann diesen dann veröffentlichen. Dies funktioniert via Website, Handy und Instant Messaging und ist überschrieben mit der Frage: What are you doing? Was tust du grade?

Diese Updates werden dann automatisch an alle Freunde verschickt, die sich bei Twitter tummeln. Umgekehrt sieht man natürlich auch deren neusten Einträge.

Wofür kann ich das gebrauchen?

Diese Frage stellt sich prinzipiell jeder, der zum ersten mal von dem Dienst hört. Bei mir war es nicht anders. Dennoch habe ich mich seinerzeit angemeldet, da ich quasi berufsbedingt ein natürliches Interesse an Kommunikation und entsprechenden Tools habe. Mittlerweile will ich den Service nicht mehr missen. Warum? Dies hat mehrere Gründe auf diversen Ebenen.

1 . Der Reiz des Unbedeutenden

Ein elementarer Bestandteil unseres Lebens besteht aus, oft als Nichtigkeiten abgetanen, Alltagsgeschehnissen. Doch sind es genau diese Kleinigkeiten, die unser Dasein in weiten Teilen bestimmen. Sich mit Freunden über die schimmlige Milch zu unterhalten, die man gestern gekauft hat, gehört ebenso zum Leben, wie der Bericht darüber, wie das Essen im Restaurant war. Diese Dinge machen einen (je nach Nutzer größer oder kleineren) Teil des Getwittere aus. Für sich genommen vielleicht alles tatsächlich unbedeutend und nichtig – trotzdem aber Teil des Lebens. Und Twitter macht es möglich, auch über große Distanzen ein bischen davon zu teilen. Mit Freunden, der Familie oder sonstigen Personen. Und dadurch Teilhabe am eigenen Leben zu ermöglichen.

2. Kurzfristige Kommunikation

Kein anderes Tool macht es so einfach, mit einer großen Menge Leute derart zeitnah zu kommunizieren. Erkennt man die richtigen Anwendungsmöglichkeiten, ergeben sich interessante Ansätze.

Beispielsweise ist es mittlerweile bereits des öfteren praktiziert worden, von einer Veranstaltung live zu Twittern. Somit kann man auf der einen Seite unmittelbar Informationen von dort nach außen fließen lassen, auf der anderen Seite aber auch einholen. Richtet man für einen Event einen Twitterchannel ein, erhalten auch Menschen die Chance dazu, Fragen zu stellen oder Anregungen zu geben, die nicht vor Ort sein können.

Interessant ist es auch als Social Tool, um etwa interessante Artikel, skurrile Videos oder anders an sein Twitternetzwerk zu empfehlen. Oder um eine Frage (z.B. „Suche Webentwickler, wer kann helfen?“) problemlos an eine Menge Leute zu stellen und schnell Antworten zu bekommen. Natürlich ein entsprechend großes Netzwerk vorrausgesetzt. Wer weitere Anwendungsmöglichkeiten sucht, findet mehr zu dem Thema etwa bei Klaus Eck oder Oliver Ueberholz.

3. Steuerung der eigenen Reputation

Betreibt man Kommunikation in einem professionellen Umfeld, so ist die eigene Reputation stets im Fokus aller Bemühungen. Twitter kann dabei einen Baustein darstellen, der die sonstigen Bemühungen, wie ein Blog oder eine Website, komplettiert. Nicht nur, dass Twittereinträge recht schnell von Google indexiert werden, sie ermöglichen auch einen unkomplizierten Blick darauf, mit was sich eine Person aktuell befasst. Durch gezielte Nutzung kann ich bestimmte, für mich relevante Facetten meiner Person betonen und präsentieren.

4. Twitter als Gedächtnisstütze

Wenn ich in der Uni sitze oder in einem anderen Zusammenhang etwas interessantes höre, das aus oben genannten Gründen auch inhaltlich zu meinem Twitter-Channel passt, protokolliere ich es dort kurz. Somit kann ich es jederzeit wieder finden und auf die Information zurückgreifen. Im Gegensatz zum klassischen Protokoll haben außerdem andere Menschen die Chance, sich dazu zu äußern und mir so eventuell weiteren Input zu geben. Sporadisch blättere ich auch mal durch meine älteren Beiträge und stoße auf Dinge, die ich beinahe vergessen hätte.

Take it or leave it

Wie also deutlich wird, kann Twitter durchaus ein nützliches Tool sein, das nebenbei auch noch einen gewissen Charme mit sich bringt. Wirklich erklären kann man den Reiz vermutlich dennoch nicht, weshalb ich letztlich nur jeden dazu auffordern kann, mit dem Tool ein wenig zu experimentieren. Wenn es gefällt und als nützlich erachtet wird, bleibt man dabei, sonst lässt man es eben wieder sein.

Thomas Euler

Weiterführende Infos:

Ein interessantes Video zum Thema von Technology Review

Twitter als Publicity Network bei CenterNetworks

10 Twitter-Thesen vom PR-Blogger

17 Anwendungsideen vom Webworkblogger

Und zuletzt natürlich: Mein Twitter-Channel

Sebastian Vesper macht sich im PR Report Gedanken über den derzeit viel strapazierten Begriff „Verantwortung“:

Von „Verantwortung“ ist in letzter Zeit viel die Rede, wenn es um professionelle Kommunikationsarbeit geht. Alle Welt redet davon. Verantwortung, Ethik, Nachhaltigkeit – klingt alles gut. Wer aber trägt Verantwortung? Was bedeutet Verantwortung im Rahmen gesteuerter Kommunikation? Wo liegt Ihre persönliche Verantwortung?

Absolut lesenswerter Artikel. Meine Meinung zu CSR in Kurzform: Natürlich ist es keineswegs verkehrt, sich als Unternehmen in gesellschaftlichen Belangen engagiert zu zeigen. Wenn dies allerdings nur aus taktischen Beweggründen und mit der Absicht geschieht, das eigene Image aufzupolieren, stimmt da was nicht. Stattdessen sollte es aus einer Überzeugung heraus selbstverständlich sein, sich dergestalt zu verhalten. Und solch ein Unternehmertum gab es schon lange vor der Einführung immer neuer Schlagwörter. Und hoffentlich noch lange nach ihrem Verschwinden.

Thomas Euler

Seit nunmehr über einem Jahr streiten sich die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit dem Perlentaucher vor Gericht. Dabei geht es um die Art und Weise, wie der Perlentaucher die Rezensionen der beiden Blätter zusammenfasst und mit kommerziellen Interessen weiterverarbeitet. Die Methode der Perlentaucher-Redaktion ist es, Textstücke aus den verlinkten Originalen zu nutzen sowie deren Inhalte mit eigenen Formulierungen verknappt widerzugeben. SZ und FAZ klagen nun, da Sie befürchten, dass es künftig überflüssig wird, ihre Rezension zu lesen.

Nachdem das Landgericht Frankfurt die Klage im November 2006 abgewiesen hat, wird das Oberlandesgericht Frankfurt am 11. Dezember sein Urteil verkünden. Da den klagenden Parteien signalisiert worden war, ihre Anträge zu überarbeiten, wird ein Urteilsspruch zu Ungunsten des Perlentaucher erwartet. Für die deutsche Blogosphäre würde ein solches Urteil sicher nicht ohne Folgen bleiben. Die gängige Praxis, größere Versatzstücke aus anderen Artikeln zu zitieren und diese nur kurz selbst einzuleiten, könnte dann juristisch fragwürdig sein. Ebenso betroffen wären Aggregatoren-Dienste, die RSS-Feeds in Kurzform einbinden oder Abstracts zu Artikeln anbieten. Besonders interessant wird das Urteil daher im Hinblick darauf sein, wieviel Eigenleistung ein Beitrag beinhalten muss, um als rechtlich einwandfrei zu gelten. Denn der Perlentaucher schreibt mitnichten komplette Texte ab, sondern formuliert viel selbst – allerdings eben auf Grundlage des Originals, ohne dessen Aussageintention etwas Neues hinzuzufügen.

Natürlich kann man sich ohnehin Fragen, worin denn der Wert von Medien besteht, die wenig bis keine originären Leistungen schaffen. Auf den ersten Blick mag man geneigt sein zu sagen: Sie haben keinen. Dies jedoch ist kurzsichtig und übersieht den wichtigen Aspekt der Informationsverwaltung. Denn in der Flut der Nachrichten und Informationen, die jeden Tag auf einen einprasseln, ist es kaum möglich, sich ohne entsprechende Hilfsmittel einen geeigneten Überblick zu verschaffen. Jeden Tag alle relevanten Medien selbst zu durchforsten und nach interessanten Meldungen zu filtern ist nahezu unmöglich. Also braucht es entsprechende Dienste wie beispielsweise RSS oder eben den Perlentaucher.

Diese ermöglichen es, selektiv die Informationen zu finden, die man tatsächlich benötigt und erleichtern ein effektives Monitoring somit extrem. Davon profitieren dann nicht zuletzt die Medien selbst. Denn ihre Meldungen verbreiten sich durch Blogs & Co. ungemein und finden dadurch auch zu Menschen, die von selbst nie auf diesen Artikel gestoßen wären. Daher sind derartige Dienste schon heute von extremer Bedeutung für die Informationsverbreitung. Dies allerdings scheint in den klassischen Medienhäusern noch nicht wahrgenommen zu werden.

Beide Parteien haben allerdings bereits angekündigt, nach dem Urteil in Revision zu gehen. Letztlich entscheiden wird den Fall daher der BGH. Es bleibt also spannend.

Thomas Euler

Ralf Ostwald ist im Projektmanagement im F&E-Bereich bei Daimler beschäftigt und hat zum Thema Projektmanagement mit Hilfe von Blogs einen kleinen Artikel im Hausblog veröffentlicht. Dies ist für mich der Anlass, nun einige webbasierte Tools und deren Nutzungsmöglichkeiten im Projektmanagement zusammenzutragen. Als ersten Schritt werde ich mich auf das Knowledge Management konzentrieren.

Je nach konkreter Situation und Aufgabenstellung können dazu folgende Tools in diversen Kombinationen genutzt werden:

Blogs: Das Weblog bietet sich als offener und langfristiger Wissenspeicher an, in dem Informationen gut sortiert und aktuell auffindbar sind. Mit technisch geringem Aufwand ist es möglich, akutelle Tasks oder Ergebnisse zu präsentieren und zu kommunizieren. Je nach Sensitivität des Projekts muss man sich entscheiden, ob das Blog im Inter- oder Intranet liegen soll. Ein Blog im Internet hat hier ggf. den Vorteil, dass auch von externer Stelle Input kommen kann. Damit ein Projektblog effektiv ist, muss dafür Sorge getragen werden, dass alle Teammitglieder dort regelmäßig partizipieren.

Wikis: Wikis können im Vergleich zu Blogs verstärkt im Bereich der Konzeption und Umsetzung genutzt werden. Sie erfordern ein paar klare Regeln, wie dort zu arbeiten ist, bieten aber dann vielen Köpfen an verschiedenen Orten die Möglichkeit, an dem gleichen Punkt zu arbeiten. Außerdem können hier aus der Erfahrung heraus Abläufe standartisiert werden, womit in der Zukunft Zeit gesparrt werden kann.

Forum: Das Forum ist dort geeignet, wo es verstärkt um die Diskussion geht. Grade im Bereich der Ideenfindung ist es als kooperatives Dialogtool nutzbar.

Twitter: Der Microbloggingdienst eignet sich vor allem im Bereich der kurzfristigen Kommunikation und ist im Knowledge Management vor allem als schnelles Frage- und Resonanztool nutzbar. Ein komplett via Twitter vernetztes Team kann auch mobil kommunizieren und ggf. schnell auf aktuelle Anfragen reagieren.

Google Docs u.ä.: Webbasierte Officesoftware mit genauer Steuerung der Zugriffsrechte ermöglicht es, Textdokumente, Tabellen oder Präsentationen online zu erstellen, gemeinsam zu bearbeiten oder einfach zur Verfügung zu stellen. So lässt sich oft wertvolle Zeit sparen, da man auf vorhandenes Material zurückgreifen kann. Über die verfügbaren Dokumente sollte außerdem eine gut gegliederte und durchsuchbare Übersicht bereitgestellt werden.

Kalender: Mit Onlinekalendern kann zentral das Zeitmanagement von Teams oder Einzelpersonen erledigt werden. Durch ein gut geführtes System lassen sich Synergien nutzen und Überschneidungen vermeiden.

Bei weiteren Anmerkungen oder Fragen melden Sie sich einfach bei mir.

Thomas Euler

Die Idee ist so einfach wie genial: Ebay Frankreich schaltet bald erstmals einen Werbespot im dortigen Fernsehn. Was dort zu sehen sein wird, bestimmt das handeltreibende Ebayvolk selbst. Denn jeder Ebayer hat die Möglichkeit, Platz in dem Spot zu kaufen. Das funktioniert so, wie man es von Ebay kennt. Jeder User kann in einer Auktion um den Platz mitbieten, Die Erlöse werden gespendet. Zugelassen sind Produkte aus zehn Kategorien, darunter Damenmode oder TV-Equipment.

EbayFR

Die beiden bereits abgelaufenen Versteigerungen lagen am Ende beide etwa bei 2000€. Die Auktion in der Kategorie Auto läuft noch, derzeitiger Stand ist schon über 4000€ – soviel also zur preislichen Dimension. Für die Hilfsorganisationen werden also ganz nette Summen herausspringen. Doch ums Geld geht es hier nur sekundär, was zählt, ist der zu erwartende Buzz um die Idee. Die nämlich ist äußerst gelungen, überträgt sie doch das übliche Ebayverfahren auf die Fernsehwerbung. Hier kann man von einer echten Innovation sprechen. Gepaart mit dem gemeinnützigen Verwendungszweck der Erlöse, sollte ein entsprechendes Presseecho sicher sein. Weitere Anwendungsfälle eines solchen Modells sind daher durchaus denkbar.

(via Adverblog)

Unsere Welt verändert sich mit enormer Geschwindigkeit. Dem gegenüber steht ein System von Normen, die das Miteinander im alltäglichen Leben regeln, kurz die Etikette. Die jedoch ist weitaus schwerfälliger als die Technik. Mittlerweile ist es also berechtigt, sich Gedanken darüber zu machen, wie sich jener Wandel auf die Umgangsformen auswirkt.

Nun stellt sich mir grade folgende Frage: Wie verhält es sich mit ‚Freundesanfragen‘ in einem Social Network, wenn es sich um eine berufliche Beziehung handelt, in der die Hierarchien klar sind? Beim Händeschütteln wäre es ebenso klar, wie beim Anbieten des „Du“: der Höherstehende würde hier das jeweilige Angebot machen. Ist dies aber auf das eigentlich hierarchielose Beziehungsgeflecht eines SN übertragbar? Oder gilt hier viel mehr der Grundsatz, dass eben derjenige anfragt, der den anderen zuerst entdeckt? Vielleicht auch alles sinnlose Gedanken, weil in Zeiten der totalen Vernetzung solche altbackenen Prozeduren nur kommunikations- und damit schlimmstenfalls auch innovationshemmend wirken?

Ich weiß es nicht und lasse mich hierüber gerne aufklären.

In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass ich mich mit lieben und klugen Leuten unterhalte und feststelle, dass ich in einer anderen Welt lebe. Dieses Gefühl kommt zumeist dann auf, wenn es um das Thema Internet und Kommunikation geht.

Es fängt manchmal schon bei ganz simplen Dingen an – beim Wort „Blog“ zum Beispiel. Ich weiß nicht, wie vielen Leuten ich schon erklären musste, was ein Blog ist. Während also viele Leute nicht mal wissen, worum es sich dabei handelt, ist es für mich alltäglich, eine Vielzahl von Blogfeeds in meinem Feedreader zu lesen. Blogs zählen genauso zu meinen normalen Informationsquellen wie etwa Tageszeitungen (primär natürlich deren Onlineausgaben).

Ebenso normal, beinahe schon trivial, ist in meiner Welt das Nachschlagen eines Begriffs bei Wikipedia. Oder, bei entsprechender Zeit, auch mal das ziellose Stöbern und Sich-Treiben-Lassen beim klicken durch die Enzyklopädieartikel. Bei weitergehendem Interesse an einer Thematik habe ich dann binnen weniger Minuten entsprechende Fachartikel, Meinungen, etc. auf meinem Bildschirm – Google sei dank. Daher kommen mir Aussagen von Mitmenschen, wie etwa: „Vor ein paar Tagen musste ich an Stefan Zweig denken – weißt du noch, wie seine zweite Erzählung hieß?“, komisch vor. Mit zwei bis drei Mausklicks wäre die gefragte Information ohne Probleme verfügbar gewesen.

Dies sind dann die Momente, in denen ich vor Augen geführt bekomme, dass ich dem gemeinen Bürger um einige Zeit voraus bin, was meine Internetnutzung anbelangt. Dies sollte man sich, grade als digital vernetzter Mensch wie ich es bin, immer vor Augen führen. Denn allzu schnell verliert man andere im Gespräch, wenn sie den eigenen Gewohnheiten nicht folgen können.

Meiner Mutter etwa die Vorzüge der Kommunikation mit Hilfe von Twitter erklären zu wollen, wäre vermutlich ein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Zunächst müssen die Grundlagen gelegt werden: Instant Messaging, Google Alerts, etc. Dann kann man weiter sehen. Bei anderen Themen wie UGC oder Tagging dürfte es ähnlich aussehen.

Ich möchte behaupten, dass ich in Sachen Informationsverwaltung und -organisation dank meines digitalen Lebensstils durchaus Vorteile gegenüber jemandem habe, der nicht so arbeitet wie ich. Also Interessantes bookmarken, mit Tags versehen, ein Blog betreiben, Informationen nicht suchen sondern dank RSS geliefert bekommen, Beziehungen mit modernen Kommunikationstools pflegen, etc. Daher versuche ich, andere Leute aufzuklären und sie mit diesen Dingen vertraut zu machen.

Auf der anderen Seite ist dies aber keine einfache Sache und Fakt ist: der Großteil der Menschen geht mit Informationen eben noch anders um. Dies letztlich muss man immer dann bedenken, wenn man professionelle Kommunikationsmaßnahmen plant. Es ist nämlich verlockend zu denken, das Internet richtet es schon, doch ist dies eben nur für manche Bezugsgruppen richtig. In einer breit angelegten Maßnahme würde ich also keineswegs aufs Fernsehen verzichten – auch wenn ich privat ein entsprechendes Empfangsgerät aus meinem Leben verbannt habe. Wozu gibt es schließlich das Internet?

Bin grade dabei ein Konzept für ein Weblog meiner Akademie zu schreiben. Wie generell bei Corporate Blogs muss sich natürlich auch in diesem Fall mit der Frage nach dem Umgang mit Kritik beschäftigt werden. Hier mal in Auszügen, was ich dazu ins Konzept geschrieben habe:

Der Umgang mit kritischen Stimmen

Vorweg eins: Wer ein Blog betreibt, gibt die Kontrolle über die eigene Marke automatisch ein Stück weit aus der Hand. Dies wird durch die wunderbaren Möglichkeiten kompensiert, die durch neue Kontakte und den direkten Dialog entstehen. Allerdings ist klar, dass man als bloggendes Unternehmen nach der tatsächlichen Güte der eigenen Leistung beurteilt wird. Dies darf jedoch nicht als Gefahr gesehen werden, sondern sollte Ansporn sein, sich stets zu verbessern. Dies wird auch von den Bezugsgruppen honoriert und geht mit einer gesteigerten Glaubwürdigkeit einher.

1. Kritik in den Autorenbeiträgen

Da sich die Blogger aus einem Team von Freiwilligen zusammensetzen […], ist nicht von sinnlosen Verbalattacken auf die Institution zu rechnen. Die bereits erwähnte Wichtigkeit der Webidentität hat ebenso Einfluss, wie auch die Erkenntnis, dass es kontraproduktiv wäre, seine eigene Ausbildungsstätte zu diffamieren.

Berechtigte und konstruktiv vorgetragene Kritik jedoch ist sowohl legitim wie auch wünschenswert, da sie gleichzeitig die Chance bietet, sich kontinuierlich zu verbessern. Dies muss Ziel jedes Unternehmens sein, schon der eigenen Konkurrenzfähigkeit wegen. Diese Form der Kritik wirkt kaum rufschädigend, da das Fehlermachen normal und menschlich ist. Im Gegenteil: Durch den offenen Umgang mit den eigenen Schwächen gewinnt die Glaubwürdigkeit und durch die Beseitigung der Mängel steigt das Ansehen und die Qualität des eigenen Service.

[…]

Um den authentischen Charakter des Mediums „Blog“ zu wahren, darf hier keine Zensurkultur Einzug halten. Dies würde auch nach außen hin schädigend wirken. Hier gilt: Vorbeugen durch gute Arbeit sowie Selektion der Autoren nach Vertrauen.

 

2. Kritik in den Kommentaren

Die Kommentarfunktion macht den Blog erst zu einem dialogorientierten Medium und stellt somit seine große Stärke etwa im Vergleich mit einem Printmedium dar. Wie erwähnt, wird hier aber auch die vollkommene Kontrolle über das eigene Markenimage (falls es diese überhaupt je gab) aufgegeben.

[…]

Als Maßstab für die Legitimität eines kritischen Kommentars soll die Rechtmäßigkeit des erhobenen Vorwurfs und die Art und Weise der Vorbringung dienen. Hier gilt: Unwahre Aussagen werden sofort gelöscht, ebenso wie Beleidigungen und explizite Rufschädigungen an Unternehmen oder Personen.

SNsCollage Ich gestehe: Seit einigen Tagen verspüre ich ein Kribbeln im Bauch. Vielleicht habe ich mich verliebt. Noch will ich es mir eventuell nicht ganz eingestehen, aber doch, es könnte sein. Es wäre das erste mal, dass ich mich einem Social Network geschlagen gebe. Aber mir scheint: Facebook hat dieses Potential.

Ich habe schon ein paar durch, genauer gesagt bin ich ein Internetkind der, naja, zweiten Stunde. Ich kenne noch klassische Forencommunities und als Uboot seinerzeit neu war, hatte ich dort einen Emailaccount – die ganzen „make friends“-Optionen interessierten mich nicht weiter. Dann lange Zeit nichts und irgendwann dann OpenBC, jetzt Xing. Das war grade heiß als ich mein Praktikum in der Cosmopolitanredaktion machte und natürlich schaute ich mal rein. Vermutlich ganz nützlich, aber irgendwie mochte der Funke nicht überspringen. Außerdem kostete es Geld und als Praktikant und dann Student ist dies die knappeste Ressource. Das gleiche Problem hielt mich dann auch davon ab, ein Fan von StayFriends zu werden.

Dann boomte StudiVZ und daher war für meine Altersgruppe auch jedes Stayfriends überflüssig (weshalb es auch keine lange Halbwertszeit haben wird). Anfangs war es ganz nett – dieser und jener alte Schulkamerad, ein neuer Mitstudent da, der macht nun dies und jener das. Ja, ein paar Tage war es ganz kurzweilig, sich so voyeuristisch zu betätigen. Aber allmählich schwand der Reiz. Nachrichten kann ich auch via Email verschicken, außerdem gibt es ja das Telefon. Gruppen sind kaum zur Diskussion geeignet, da das Forensystem nichtmal mit dem schlechtesten kostenlosen Forenhoster mithalten kann, und stellen somit kaum mehr da, als ein einzeiliges Statement auf dem eigenen Profil.

Somit ist mein derzeitiges Nutzungsverhalten dieses: alle paar Tage gucke ich bei StudiVZ rein, immer wenn ich grad dran denke, und sehe: Ah, wieder keine Nachricht, nichts auf der Pinwand und tschüß. Es bietet schlicht keinen wirklichen Mehrwert. Außer vielleicht dann und wann, wenn mich ein Freund anruft und sagt: „Mensch, da hab ich ein heißes Mädchen kennengelernt, guck dir die mal bei StudiVZ an“. Dann gucke ich nach, fühle mich als Voyeurist aber denke: Wer sein Profil nicht schützt ist ja auch selber schuld. Dank dieser eigentlichen Entäuschung haben mich dann Wer kennt wen, Lokalisten und Co. nie wirklich gereizt.

Und so waren bis vor ein paar Tagen Social Networks zwar immer irgendwie da, aber auch stets irgendwie ohne Relevanz und ohne Nutzwert. Aber nach immer mehr positiven Berichten über Facebook, etwa hier oder hier, gab ich dem StudiVZ-Vorbild auch mal eine Chance. Nach ein paar Minuten waren meine Gedanken: Wow! Cool. Was das alles kann! Oh, sowas gibt es auch, wahnsinn! Warum hat StudiVZ sowas nicht? Applications, ist ja cool.

Was es ist, das mich so euphorisch stimmt? Die Fähigkeit von Facebook, alle möglichen anderen Inhalte seiner eigenen Webaktivitäten zu bündeln und auf einer Seite zu aggregieren, was Facebook dank seiner offenen Struktur und den so möglichen Applications kann. Das ist durchaus clever uns sehr relevant, denn erstmals kann ich wirklich simpel mein getwittere, meine Bloginhalte, meine Bookmarks etc. zusammenführen und mir so eine universelle und (ganz wichtig:) kontrollierbare Webidentität schaffen.

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Das aber alleine ist erst der halbe Clou. Wirklichen Mehrwert bietet Facebook erst dadurch, dass all diese Aktivitäten in Form des Mini-Feeds gebündelt werden und automatisch in meinem Netzwerk weitergeleitet werden. Während man also für wirkliche Neuigkeiten in seinem Bekanntenkreis bei StudiVZ mühsam jedes Profil abklappern muss, in der Hoffnung, dass die Leute sowas auf die eigene Pinwand schreiben, weil es Minifeeds eben nicht gibt, bekommt man es bei Facebook geliefert. Es ist, reduziert auf einen Satz, nicht mehr und nicht weniger als die Schaffung eines automatisierten Kommunikations- und Neuheitennetzwerks zwischen Menschen.

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Das finde ich äußerst spannend und extrem nützlich. Warum die Liebe trotzdem noch nicht voll entbrannt ist? Nun, noch habe ich kaum ein Netzwerk und bemühe mich erstmal darum, die Schaar der StudiVZ-Jünger zu bekehren. Dann wird sich das begeisternde Konzept in der Praxis bewähren müssen. Allerdings spricht vieles dafür, dass dies durchaus gelingen kann. Schöne neue Welt!

Thomas Euler