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Warum kostenlose Inhalte im Sinne einer demokratischen Gesellschaft sind und wie Qualitätsjournalismus trotz neuer Spielregeln im Netzzeitalter realisierbar ist.

Warum Content kostenlos sein sollte

Als Jürgen Habermas 1962 über den Strukturwandel der Öffentlichkeit schrieb, hatte er ein Ideal im Kopf. Er sah die Öffentlichkeit als den Raum, in dem Individuen zusammenkommen um einen politischen Willen zu formen und Entscheidungen zu treffen, stets basierend auf objektiven, möglichst präzisen Informationen. Die Öffentlichkeit ist damit die Grundlage unseres demokratischen Systems, sie ist die Sphäre der Willensbildung. Die notwendigen Informationen, die laut Habermas die Grundlage jeglicher Entscheidung sein sollten, bezieht die Bevölkerung vor Allem aus einer Quelle: der Presse.

Es ist das ureigenste Ideal des Journalisten, als Beobachter über Politik und Wirtschaft zu wachen. Er schlägt die Brücke von den Mächtigen zum Volk und sorgt als unabhängige Instanz für Transparenz, indem er über politische Vorhaben berichtet, obskure Machenschaften in der Wirtschaft enthüllt oder mit fundierten Meinungen kritisch das Zeitgeschehen kommentiert. Daher ist eine funktionierende Demokratie nur in einer Gesellschaft denkbar, in der eine freie und neutrale Presse gewährleistet werden kann. Doch das Vorhandensein der  notwendigen Informationen allein ist noch kein Garant für eine partizipierende, aufgeklärte Öffentlichkeit. Der eigentlich kritische Punkt ist der Zugang zu diesen Informationen. Man stelle sich vor, die Tageszeitung oder TV-Nachrichten kosteten 10€ pro Tag – der Effekt auf den allgemeinen Wissensstand wäre fatal.
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Below you’ll find an essay I have recently written. Frankly speaking, I evaluate the debate between journalists and PR professionals. It seems that journalists like blaming PR people, not least because they are an easy target. Isn’t it obvious? Those damn PR guys – ‚the dark site‘ – want to influence, no, manipulate public opinion and perceptions, and it is the poor journalist who suffers. In the essay at hand I try to figure out if this thesis is really the case.

Since it is a somewhat lengthy and academic piece, I decided to upload it to Slideshare as a PDF. Either you can read it there in the player or download it. I think it is the most convenient way to access the PDF especially because it has a nice layout and a great readability. Alternatively, for all those who prefer reading it directly on the blog I also published the text here. You find it after the break. Please note however, that the list of references is missing here and can only be found in the PDF.

Either way, let me know your opinion in the comments!

Thomas Euler (@Twitter: ThomasE)

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Kurznotiz: Geflasht

In den letzten Tagen türmen sich in meinem Feedreader die Items und ich komme nicht wirklich dazu, sie abzuarbeiten. Jetzt grade habe ich mich mal wieder drangemacht, um die Zahl nicht vierstellig werden zu lassen. Dabei habe ich, wenn auch etwas verspätet, diesen Beitrag vom Fischmarkt entdeckt, in dem es um die Reaktionen zur neuen Website geht:

Mancher bezweifelt zwar noch die Ernsthaftigkeit der Website-Lösung („das muss ein scherz sein, oder?“), aber dass die Website „Mut zum Querdenken“ beweist und der Zeit voraus zu sein scheint, darin sind sich die Kommentatoren einig. Es macht Spaß, das alles zu lesen.

Hatte sie mir zwar schon mal flüchtig angeguckt, dabei aber wohl mit meinem einzigen Klick auf ‚Blog‘ genau das falsche Pünktchen erwischt. Hätte ich damals noch ein bisschen mehr rumgeklickt, hätte ich den eigentlichen Trick der Website nicht erst heute entdeckt. Nun gut, so flasht es mich eben erst jetzt.

Was das besondere ist? Statt aufwendig eine eigene Seite zu gestalten, wurde der ganze Content einfach auf andere Dienste verlegt und diese simpel integriert. So kommt die Unternehmensvision in Slideshare daher und die Stellenanzeigen direkt vom Jobpilot. Das hat Charme, weil es zeigt, wie vernetztes und effektives Denken aussehen kann. Außerdem unterstreichen die SinnerSchrader-Jungs nebenbei noch ihre Kompetenz im Umgang mit dem Web 2.0-Dingsda. Tolles Teil! Angucken.

Die Fortsetzung des ersten Teils, der u.a. die Frage behandelt, ob wir uns dank des Internets zu einer Gesellschaft der falsch Informierten wandeln.

Stellt das Internet eine Gefahr für den Journalismus dar, weil nun jeder publizieren kann?

Nein. Für kompetent recherchierte, gut aufbereitete Information wird es immer Bedarf geben, daran ändert auch das Medium Internet nichts. Einzig wird sich der Distributionskanal verstärkt in Richtung Web verlagern. Mit hinein in diese Fragestellung spielt auch die von vielen Journalisten bravourös kultivierte Angst vor der Ersetzung der Tageszeitung durch die Blogosphäre.

Warum allerdings muss von einem Ersetzen die Rede sein? Oder gar von einer Abschaffung des Journalismus? Aufgabe des Journalisten ja mitnichten das Füllen von Papierseiten mit Druckerschwärze, sondern die Schaffung von Inhalten, die hintergründige Aufbereitung von Informationen und eben als 4. Gewalt die Willensbildung der Bürger zu ermöglichen. Das Medium ist dafür zunächst sekundär.

Was ich durchaus glaube ist, dass im Bereich der Tageszeitungen Printprodukte über kurz oder lang hinfällig werden. Im Gegensatz zum Buch etwa, dessen Lesen ein Erlebnis darstellt und Muße erfordert, die man in Front eines Bildschirms nicht hat. Doch der primäre Nutzen einer Tageszeitung ist der Zugang zur Information. Eines der entscheidenden Gütsiegel für Information ist ihre Aktualität. Es ist ziemlich offensichtlich, dass diese im Internet wesentlich höher ist.

Wiese also sollte sich ein weniger aktuelles Medium langfristig halten können? Die Haptik der Zeitung? Wohl kaum. Etwa im Unterschied zum Hochglanzmagazin. Der vielzitierte Qualitätsjournalismus, der online angeblich nicht stattfinden kann? Ebenfalls nicht. Denn auch im Netz gibt es schon heute sehr hochwertigen Content – nur eben oftmals nicht bei den etablierten Medien, die ihre Nutzer lieber auf lange Klickstrecken schicken als ihnen auch im Internet ein gutes Feuilleton und ihre besten Autoren zu bieten. Die bewahren Sie für die Printausgaben auf, um noch einen letzten USP für sie zu schaffen. Doch auch dies wird sich ändern. Denn mit einer weiter zunehmenden Verlagerung der Werbebudgets ins Internet, wird es zunehmend lukrativer, dort präsent zu sein. Und da hochwertige Inhalte auch im Netz entscheidend sind, werden die Medienhäuser gar keine andere Wahl haben.

Letztlich muss sich also die Einsicht breit machen, dass das Internet nichts weiter als ein Kanal ist, auf dem ich Inhalte transportieren kann. Nur ist er den altbekannten Kanälen in vielerlei Hinsicht überlegen. Er ist aktueller. Er ist wesentlich günstiger als Print, was Grenzkostenfetischisten jubeln lässt. Er ist dialogisch (keine Angst vor dem Leser – er ist immerhin euer Kunde. Kostenlose Marktforschung sollte doch eigentlich Grund zur Freude sein. Und dann erst der Nutzen für die Meinungspluralität…). Er ist vernetzt. Ein Vorteil im Übrigen, der in nahezu jedem Onlineauftritt einer Zeitung oder eines Magazins viel zu wenig genutzt wird. Klar, die wollen ihre User schön bei sich behalten, doch sinnvoll und im Sinne der Leser ist das nicht. Wie müßig war es im PräLink-Zeitalter, sich die Quellen eines Berichts selbst mühselig zusammenzusuchen und wie einfach könnte es heute sein? So ließe sich die Liste noch um einiges fortführen.

Warum also die Angst vor dem Netz? Ebenso kann man es doch als wunderbare Chance betrachten. Jeder Journalist, der seinen Job liebt, sprich gerne schreibt, gerne informiert und gerne Denkanstöße gibt (bestenfalls sogar gerne neue Denkansätze findet?), sollte eigentlich verliebt ins Internet sein. Darüber, woran es liegt dass die meisten es nicht sind, kann jeder für sich selbst nachdenken.

Im Internet kann jeder schreiben und veröffentlichen, was er will. Wie soll man als Unternehmen da noch die Kontrolle über seine Kommunikation behalten?

Gegenfrage: Hatten Sie jemals wirklich die Kontrolle über die Kommunikation? Hat nicht Lieschen Müller schon immer im Dorf herumerzählt, wie miserabel ihr kürzlich erworbener Haartrockner ist? Haben die Menschen nicht schon immer mehr auf die Meinung von persönlich Bekannten vertraut, als auf die Botschaften der bunten, glitzernden Werbung? Klar haben sie.

Genau dies findet nun eben im Internet statt. „Schrecklich!“, könnte man sagen: „Da lesen das ja viel mehr Menschen!“. Stimmt. Könnte man. Alternativ kann man die Sache aber auch so betrachten: Erstmals haben Sie die Chance, mitzubekommen was die Leute über Sie reden und denken. Eine Gelegenheit, die Sie nie hatten, wenn Lieschen in Buxtehude mal wieder über ihren Haartrockner herzog.

Und natürlich können Sie nicht nur mithören, was die anderen sagen, sondern sie können mitreden. Beispielsweise Frau Müller erklären, dass sie die Plastikversiegelung schon entfernen muss, bevor ihr Haartrockner funktioniert. Oder aber, Sie entschuldigen sich für die Probleme und schicken ihr ein neues Gerät zu. Den zufriedenen Blogeintrag über ihren tollen Kundenservice gibt es übrigens gratis dazu.

Auf der Web 2.0 Mittelstandskonferenz fiel der Satz:

Wer Kommunikation beeinflussen will, muss Teil von ihr werden.

Denken Sie drüber nach.

Thomas Euler

Am Dienstag hatte ich Rahmen der Web 2.0 Mittelstandskonferenz ein interessantes Gespräch mit einigen eher skeptischen Menschen zum Themenkomplex Informationen aus dem Netz. Dabei ging es um diverse Punkte die ich hier in zwei Teilen näher beleuchten will. Leider mit etwas Verspätung, allerdings ist meine Zeit momentan ziemlich knapp und zum Befüttern des eigenen Blogs bleibt leider weniger, als ich es gerne hätte. Man sehe es mir nach.

Wenn Menschen anfangen, sich nur noch über ihre jeweiligen, ganz speziellen Interessensgebiete zu informieren, indem sie entsprechende Kanäle beispielsweise via RSS abonnieren – geht dann die Grundlage für einen gesellschaftlichen Dialog über generelle Themenfelder verloren, weil eine gemeinsame Informationsbasis fehlt?

Eine absolut spannende Frage. Driften wir in eine Welt ab, in der es nur noch ganz diversifizierte Communities gibt, denen eine verbindende Gesprächsbasis fehlt? Nun, heutzutage ist es sicherlich möglich, sich nur noch in ganz bestimmten Fachblogs und -foren zu tummeln und daraus seine einzigen Informationen zu beziehen. Allerdings gibt es meines Erachtens nach zwei Punkte, die der These von einer totalen Zersplitterung der Informationsgesellschaft widersprechen.

1. Gibt es ein Grundbedürfnis des Menschen, mitreden zu können. Die Popularität von Gossipmagazinen und Co. unterstreicht dies. Beim Smalltalk im Aufzug, im Büro mit den Kollegen oder beim Besuch der Eltern: Man will mitreden können, über das, was aktuell passiert. Übrigens zieht sich dies sogar bis in die speziellsten Foren, deren Offtopic-Bereich in den meisten Fällen auch Gespräche über Bundestagswahlen oder die neusten Eskapaden von Paris Hilton beheimaten.

2. Ist die Spezialisierung ja mittlerweile kein brandneues Phänomen mehr. Auch vor 20 Jahren gab es schon Menschen, die Experten in ihrem Bereich (sei es Wissenschaft oder Hobby) waren und von speziellen Videos, Büchern bis zu Magazinen alles konsumierten, was es aus ihrem Fachgebiet gab. Waren das deshalb alles Fachidioten, mit denen ein Gespräch über andere Themen nicht mehr möglich war? Mitunter ja. Aber sicherlich nicht im überwiegenden Maße. Es ist letztlich jedes Menschen eigene Wahl, ob er sich in die Breite informiert oder nur ganz selektiv Inhalte wahrnimmt. Dies war noch nie anders. Das Internet erleichtert es natürlich ungemein, sich spezifisch zu informieren, doch wenn man sich die Zahlen anguckt, wer von diesen Möglichkeiten tatsächlich gebrauch macht, dann muss man feststellen: Die breite Masse tut dies noch nicht.

Führt das Internet zu einer Verbreitung von falschen Aussagen und Meinungen, weil Autoren mit mangelndem Fachwissen zu allem ihren Senf abgeben und die Leser ihnen alles glauben?

Sicherlich keine neue Kritik, aber eine, die sich lange hält und oft angebracht wird, wenn sich ein Gespräch um das Medium Internet dreht. Obwohl die Überlegung sicherlich nicht grundsätzlich falsch ist, ist sie auch keine Zwangsläufigkeit.

Zunächst ist entscheidend, dass gezielt, also etwa bereits in der Schule, an der Medienkompetenz der Menschen gearbeitet wird. Eine Information auf einem Blog kann falsch sein. Und eventuell ist die Gefahr, aufgrund einer mangelnden Überprüfung der Veröffentlichung, auch größer als im klassischen redaktionellen Umfeld.

Nur: Erstens gibt es auch aus ’seriösen Medienhäusern‘ oft genug Beispiele, die zeigen, dass auch dort falsches (gezielt?) verbreitet wird. Man gucke nur hier oder hier. Daraus resultiert, dass man als Rezipient stets und ständig seine Quellen hinterfragen sollte. Gleichgültig, ob es sich um ein Blog oder eine Tageszeitung handelt. Dass dies in der Realität viel zu wenig der Fall ist, gebe ich zu. Da hilft eben nur gezielte Bildung.

Zum zweiten stellen bei Weitem nicht alle Blogs private Motz- und Meckerorgane da, die auf jedwege journalistischen Qualitätsmaßstäbe verzichten. Man lese nur mal regelmäßig den Spiegelfechter. Und auch mangelndes Fachwissen ist keineswegs das neue Synonym für Blogger. Wissenschaftler wie Prof. Thomas Pleil oder erfahrene Praktiker vom Format eines Bob Batchelor betreiben exzellente Fachblogs und sind somit eine ideale Anlaufstelle, um sich mit einer Thematik näher auseinanderzusetzen. Natürlich gilt auch hier, niemals blind einer Information zu vertrauen. Wie gesagt allerdings, trifft selbiges für jegliches mediale Format zu.

Wie auch bei der herkömmlichen Presse kommt es eben auch bei Blogs darauf, welche ich denn lese. So wie sich die taz darüber ärgern würde, mit der Bild über einen Kamm geschoren zu werden, ist Blog eben nicht gleich Blog. Zunächst ist ein Weblog nämlich ein simples CMS und kann, wie jedes Blatt Papier, mit hochwertigem oder mangelhaftem Inhalt befüllt werden.

Zuletzt – auch wenn dies bestritten werden mag – reguliert sich das Netz eben doch zu einem gewissen Grad selbst. Diskussionen in Kommentaren, gegensätzliche Darstellungen auf anderen Blogs – all dies ist Ausdruck dieser Regulation. Natürlich ist hier wieder notwendig, dass der Leser eines Blogeintrags auch die Kommentare liest oder dem ein oder anderen Trackback-Link folgt. Wo wir wieder beim Thema Medienkompetenz wären.

In den nächsten Tagen folgt der zweite Teil, in dem es dann u.a. um die Frage gehen wird, ob Blogs eine Gefahr für den Journalismus darstellen.

[Update: Der zweite Teil ist nun online]

Thomas Euler

Web 2.0 für den Mittelstand

Nicht nur große Konzerne und transnationale Unternehmen können von den Errungenschaften des Web 2.0 profitieren, sondern auch der Mittelstand. Sei es der kleine Hotelier, der dank geschickter Selbstpräsentation im Netz zu einer höheren Auslastung gelangt oder der Industriemechaniker, der sich einen neuen Vertriebsweg erschlossen hat und dank des schnellen, kompetenten Online-Kundenservice lauter zufriedene Kunden hat.

Doch eines ist ebenso sicher: Im Vergleich zum Potential, das dieses „Web 2.0-Dingens“  bietet, ist die tatsächliche Nutzung noch äußerst gering. Daher finde ich Tagungen, wie diese: „Web 2.0 – die Mittelstandskonferenz: Erfolgreiches Marketing in Zeiten von Wikis, Weblogs und Co.“ äußerst begrüßenswert. Und da ich die Chance bekommen habe, dort hinzufahren, einige Interviews zu führen und etwas Berichterstattung für den PR Blogger zu machen, packe ich die Gelegenheit natürlich beim Schopfe. Ich bin gespannt, was sich in den mittelständischen Unternehmen in Richtung Web 2.0 tut und erhoffe mir darüber hinaus einige neue Inputs.

Natürlich freue ich mich über Themenwünsche, die in die Berichterstattung einfließen sollen. Der vollständige Tagungsflyer [pdf] liefert sicher einige Ideen dahingehend, die dann in den Kommentaren bestens aufgehoben sind.

Thomas Euler

Nur ein kurzer Hinweis: Seit ein paar Tagen bin ich Praktikant einer Münchner PR-Beratung. Von Dortmund aus. Wo genau, wie das geht und warum, steht hier. Dort finden sich künftig also auch regelmäßig Beiträge von mir.

Übrigens ein tolles Beispiel, wie Internet das echte Leben mittlerweile beeinflusst. Ohne Web wäre ich vermutlich nie auf das Praktikum aufmerksam geworden, ohne Web wäre unsere Arbeitsweise kaum realisierbar und ohne Web hätte ich einen interessanten Menschen weniger kennengelernt. Wobei es heute sogar noch weiter ging. Denn ich habe mich heute auch mit Katja und Annette von Pott2Null getroffen und ein interessantes Gespräch gehabt. Der Kontakt kam, wie sollte es anders sein, übers Internet zustande. Und zu allem Überfluss hat mir Robert auch noch einige gute Tipps zu unseren Gründungsplänen gegeben. Spannend, dieses Netz.

Thomas Euler

Ralf Ostwald ist im Projektmanagement im F&E-Bereich bei Daimler beschäftigt und hat zum Thema Projektmanagement mit Hilfe von Blogs einen kleinen Artikel im Hausblog veröffentlicht. Dies ist für mich der Anlass, nun einige webbasierte Tools und deren Nutzungsmöglichkeiten im Projektmanagement zusammenzutragen. Als ersten Schritt werde ich mich auf das Knowledge Management konzentrieren.

Je nach konkreter Situation und Aufgabenstellung können dazu folgende Tools in diversen Kombinationen genutzt werden:

Blogs: Das Weblog bietet sich als offener und langfristiger Wissenspeicher an, in dem Informationen gut sortiert und aktuell auffindbar sind. Mit technisch geringem Aufwand ist es möglich, akutelle Tasks oder Ergebnisse zu präsentieren und zu kommunizieren. Je nach Sensitivität des Projekts muss man sich entscheiden, ob das Blog im Inter- oder Intranet liegen soll. Ein Blog im Internet hat hier ggf. den Vorteil, dass auch von externer Stelle Input kommen kann. Damit ein Projektblog effektiv ist, muss dafür Sorge getragen werden, dass alle Teammitglieder dort regelmäßig partizipieren.

Wikis: Wikis können im Vergleich zu Blogs verstärkt im Bereich der Konzeption und Umsetzung genutzt werden. Sie erfordern ein paar klare Regeln, wie dort zu arbeiten ist, bieten aber dann vielen Köpfen an verschiedenen Orten die Möglichkeit, an dem gleichen Punkt zu arbeiten. Außerdem können hier aus der Erfahrung heraus Abläufe standartisiert werden, womit in der Zukunft Zeit gesparrt werden kann.

Forum: Das Forum ist dort geeignet, wo es verstärkt um die Diskussion geht. Grade im Bereich der Ideenfindung ist es als kooperatives Dialogtool nutzbar.

Twitter: Der Microbloggingdienst eignet sich vor allem im Bereich der kurzfristigen Kommunikation und ist im Knowledge Management vor allem als schnelles Frage- und Resonanztool nutzbar. Ein komplett via Twitter vernetztes Team kann auch mobil kommunizieren und ggf. schnell auf aktuelle Anfragen reagieren.

Google Docs u.ä.: Webbasierte Officesoftware mit genauer Steuerung der Zugriffsrechte ermöglicht es, Textdokumente, Tabellen oder Präsentationen online zu erstellen, gemeinsam zu bearbeiten oder einfach zur Verfügung zu stellen. So lässt sich oft wertvolle Zeit sparen, da man auf vorhandenes Material zurückgreifen kann. Über die verfügbaren Dokumente sollte außerdem eine gut gegliederte und durchsuchbare Übersicht bereitgestellt werden.

Kalender: Mit Onlinekalendern kann zentral das Zeitmanagement von Teams oder Einzelpersonen erledigt werden. Durch ein gut geführtes System lassen sich Synergien nutzen und Überschneidungen vermeiden.

Bei weiteren Anmerkungen oder Fragen melden Sie sich einfach bei mir.

Thomas Euler

Heute ist der lang erwartete Launch von DerWesten über die Bühne gegangen. Bereits gegen 00:30, als ich erstmals nachguckte, war es online und ich meldete mich an. Während übrigens mein üblicher Name ThomasE bereits vorgemerkt war, hatte ich doch tatsächlich Glück mit: Thomas – so simpel-dreist hat es wohl noch keiner probiert.

Eigentlich war dann auch mein Plan, das Ganze heute auf Herz und Nieren zu testen und meine Eindrücke hier zu veröffentlichen. Jedoch wäre ich damit bei bestem Willen nicht der Einzige und damit wenig kreativ gewesen; zudem ist es so: bei einem solchen Portal, das sich irgendwo zwischen Onlineangebot einer Tageszeitung (bzw. in this case: mehrerer) und Social Community etablieren will, fände ich es vorschnell, bereits nach einem Tag ein Urteil zu fällen. Daher habe ich mich dazu entschieden, ein paar Wochen ins Land gehen zu lassen, während denen ich das Portal, die Community und beider Entwicklung beobachte. Dann werde ich mich umfassend dazu äußern.

An dieser Stelle sei also nur in knappester Form mein erster Eindruck geschildert: Durchwachsen mit Tendenz ins Positive. Für ein deutsches Verlagsprodukt, das in Eigenregie aufgebaut und nicht eingekauft wurde, gradezu revolutionär. Viele Feature sind auch wirklich nett und brauchbar, manches fehlt mir und wieder anderes finde ich unglücklich gelöst. Aber wie gesagt: Ein fundiertes Urteil braucht eine gewisse Zeit.

Die Süddeutsche berichtet über ein neues Start-up aus Deutschland, das auch ein Stück vom Websuch-Kuchen haben möchte. Bialex nennt sich das Ganze und soll, wie im Artikel steht, laut Branchenkennern ganz gute Aussichten auf Erfolg haben. Also hab ich mich mal genauer umgeguckt.

Wie funktioniert das Konzept? Nun, erstmal werden nur Inhalte gefunden, die vorher von Usern angelegt werden, eigentlich also der klassische Katalog. Das solche usergefütterten Suchdienste problematisch sind, hat etwa Robert hier bereits ganz zutreffend veranschaulicht. Erschwerend kommt im Fall von Bialex noch hinzu, dass der User für seinen Eintrag auch noch Geld bezahlen soll – einen Euro pro Monat. Das Besondere, von den Machern als Innovation deklarierte, ist nun, dass bei Bialex (was sich aus Bibliothek und Alexandria zusammensetzt) Treffer als Bücher dargestellt werden. Das sieht nicht nur hässlich aus, sondern man fragt sich auch: Wo ist hier der Nutzen?

Bialex.com

Ich gebe also einen Begriff ein, muss dann erst mühsam über die Buchrücken scrollen, bekomme dann erst den Titel der Seite und die Kurzinfo angezeigt. Wenn ich allerdings auf die Seite gelangen will, muss ich erst auf das Buch klicken. Dieses öffnet sich dann und ich bekomme das Impressum des „Autors“ gezeigt; erst hier finde ich den (oder die) Link(s). Weiterlesen »

Unsere Welt verändert sich mit enormer Geschwindigkeit. Dem gegenüber steht ein System von Normen, die das Miteinander im alltäglichen Leben regeln, kurz die Etikette. Die jedoch ist weitaus schwerfälliger als die Technik. Mittlerweile ist es also berechtigt, sich Gedanken darüber zu machen, wie sich jener Wandel auf die Umgangsformen auswirkt.

Nun stellt sich mir grade folgende Frage: Wie verhält es sich mit ‚Freundesanfragen‘ in einem Social Network, wenn es sich um eine berufliche Beziehung handelt, in der die Hierarchien klar sind? Beim Händeschütteln wäre es ebenso klar, wie beim Anbieten des „Du“: der Höherstehende würde hier das jeweilige Angebot machen. Ist dies aber auf das eigentlich hierarchielose Beziehungsgeflecht eines SN übertragbar? Oder gilt hier viel mehr der Grundsatz, dass eben derjenige anfragt, der den anderen zuerst entdeckt? Vielleicht auch alles sinnlose Gedanken, weil in Zeiten der totalen Vernetzung solche altbackenen Prozeduren nur kommunikations- und damit schlimmstenfalls auch innovationshemmend wirken?

Ich weiß es nicht und lasse mich hierüber gerne aufklären.

mix it up #5

Links:

Arcor muss YouPorn sperren

Das Landgericht Frankfurt am Main bestätigt eine einstweilige Verfügung gegen Arcor. Der ISP muss nun seinen Kunden den Zugang zu YouPorn.com verwehren. Ich habe mich nach der ersten Internetzensur vor ein paar Wochen schon mal zu dem Thema geäußert, daher verzichte ich hier mal auf längere Kommentare.

Britische Schule testet RFID-Chips in der Schulkleidung

Schüler einer britischen Schule werden in einem Pilotprojekt jederzeit in ihren Klassenräumen auffindbar. Dank RFID und angeschlossener Datenbank, kann dort nun jeder Lehrer sehen, wo sich der Schüler aufhält – schön veredelt mit Bild und schulischen Leistungen des Betreffenden. Laut einem Sprecher des Kinder-, Schul- und Familienministeriums wird das Projekt von dort unterstützt. Man kann also davon ausgehen, dass sich das Model durchsetzen wird.

Einsame Herzen 2.0

Skurril? Menschlich? Lustig? Traurig? Absehbar? Jedenfalls boomt virtueller Sex und virtuelle Prostitution in Second Life. Leider entstehen dabei allerdings keine Kinder, weshalb zur Erhaltung des Menschen immer noch echter Sex notwendig ist – nur als kleine Erinnerung an alle SL-Liebenden.

Wie wollen wir leben?

Susanne Gaschke legt ein Plädoyer für die Entschleunigung unseres Lebens vor. Auch wenn ich der Autorin in einigen Punkten widerspreche, ein Artikel, der zum nachdenken anregt. Da ich einen artverwandten Essay seit längerem plane, gehe ich hier jetzt nicht dezidiert auf meine Kritik ein. Nur allgemein: Manchen geschilderten Sachverhalt kann man auch schlichtweg positiv beurteilen.

Kann nichts, tut nichts – ist berühmt

Jaja, das Internet oder wie Cory Kennedy zum it-girl wurde. Scheinbar ganz ein Kind unserer Zeit. Allerdings muss ich durchaus zugeben, dass man ihr einen gewissen Sexappeal nicht absprechen kann.

In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass ich mich mit lieben und klugen Leuten unterhalte und feststelle, dass ich in einer anderen Welt lebe. Dieses Gefühl kommt zumeist dann auf, wenn es um das Thema Internet und Kommunikation geht.

Es fängt manchmal schon bei ganz simplen Dingen an – beim Wort „Blog“ zum Beispiel. Ich weiß nicht, wie vielen Leuten ich schon erklären musste, was ein Blog ist. Während also viele Leute nicht mal wissen, worum es sich dabei handelt, ist es für mich alltäglich, eine Vielzahl von Blogfeeds in meinem Feedreader zu lesen. Blogs zählen genauso zu meinen normalen Informationsquellen wie etwa Tageszeitungen (primär natürlich deren Onlineausgaben).

Ebenso normal, beinahe schon trivial, ist in meiner Welt das Nachschlagen eines Begriffs bei Wikipedia. Oder, bei entsprechender Zeit, auch mal das ziellose Stöbern und Sich-Treiben-Lassen beim klicken durch die Enzyklopädieartikel. Bei weitergehendem Interesse an einer Thematik habe ich dann binnen weniger Minuten entsprechende Fachartikel, Meinungen, etc. auf meinem Bildschirm – Google sei dank. Daher kommen mir Aussagen von Mitmenschen, wie etwa: „Vor ein paar Tagen musste ich an Stefan Zweig denken – weißt du noch, wie seine zweite Erzählung hieß?“, komisch vor. Mit zwei bis drei Mausklicks wäre die gefragte Information ohne Probleme verfügbar gewesen.

Dies sind dann die Momente, in denen ich vor Augen geführt bekomme, dass ich dem gemeinen Bürger um einige Zeit voraus bin, was meine Internetnutzung anbelangt. Dies sollte man sich, grade als digital vernetzter Mensch wie ich es bin, immer vor Augen führen. Denn allzu schnell verliert man andere im Gespräch, wenn sie den eigenen Gewohnheiten nicht folgen können.

Meiner Mutter etwa die Vorzüge der Kommunikation mit Hilfe von Twitter erklären zu wollen, wäre vermutlich ein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Zunächst müssen die Grundlagen gelegt werden: Instant Messaging, Google Alerts, etc. Dann kann man weiter sehen. Bei anderen Themen wie UGC oder Tagging dürfte es ähnlich aussehen.

Ich möchte behaupten, dass ich in Sachen Informationsverwaltung und -organisation dank meines digitalen Lebensstils durchaus Vorteile gegenüber jemandem habe, der nicht so arbeitet wie ich. Also Interessantes bookmarken, mit Tags versehen, ein Blog betreiben, Informationen nicht suchen sondern dank RSS geliefert bekommen, Beziehungen mit modernen Kommunikationstools pflegen, etc. Daher versuche ich, andere Leute aufzuklären und sie mit diesen Dingen vertraut zu machen.

Auf der anderen Seite ist dies aber keine einfache Sache und Fakt ist: der Großteil der Menschen geht mit Informationen eben noch anders um. Dies letztlich muss man immer dann bedenken, wenn man professionelle Kommunikationsmaßnahmen plant. Es ist nämlich verlockend zu denken, das Internet richtet es schon, doch ist dies eben nur für manche Bezugsgruppen richtig. In einer breit angelegten Maßnahme würde ich also keineswegs aufs Fernsehen verzichten – auch wenn ich privat ein entsprechendes Empfangsgerät aus meinem Leben verbannt habe. Wozu gibt es schließlich das Internet?