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Chiptuning

Vor ein paar Tagen hatte Robert gefragt, ob sich seine Leser einen Chip einpflanzen lassen würden, der es ermöglicht, von Überall problemlos auf die Wikipedia zuzugreifen. Heute hat er das Ergebnis veröffentlicht. Von seinen Lesern würden sich
54% einen Chip einpflanzen lassen,
9% sind sich unschlüssig und
37% keinen Chip einpflanzen lassen.

(Basis: 221 Befragte)

Robert ist der Meinung, dass dies langfristig beinahe unvermeidlich kommen wird. Er könnte damit Recht haben, keine Frage. Warum ich dies aber keinesfalls gutheissen würde, habe ich auch als Kommentar geschrieben:

Ich denke (und hoffe) auch, dass dein Publikum da nicht wirklich repräsentativ ist, Robert.

Was mich am meisten beängstigt an dem Gedanken, es könnte solche Wissenschips eines Tages geben, ist es, dass Wissen damit zur bloßen kurzfristigen Information verkommt. Ein eigentlicher Wissenserwerb durch eigenes Lernen wird kaum mehr nötig sein. Doch grade dies ist ja eine Kernfähigkeit des Menschen: sich zu bilden. Wenn alle Information stets abrufbar ist, verliert sich jedoch diese Notwendigkeit. Den Menschen aber, der nichts mehr lernen, sich kein Wissen mehr mühsam aneignen muss, stelle ich mir wie die geistige Version dessen vor, was in materieller Ausprägung bei MTVs “My Sweet Sixteen” zu sehen ist. Verzogen, unreif, unreflektiert und letztlich: dumm.

Zudem: Was ist mit neuen Erkenntnissen? Wenn jeder es gewohnt ist, nur noch abzurufen, wird er dann des eigenen Denkens überhaupt noch fähig sein? Wird Innovation und Forschung dann noch über ein reines Kombinieren und Neusortieren des Bekannten hinausgehen? Ist nicht eher zu befürchten, dass aus der geistigen Faul- & Trägheit ein Unvermögen entsteht, komplexe Zusammenhänge selbstständig gedanklich nachzuvollziehen und Neues zu denken? Oder bin ich Kulturpessimist und es wie heute, nur ohne Internet-Tablett sondern mit Chip? (Oder sind wir heute schon auf dem oben geschilderten Weg?)