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Mit dem Update von Facebook in dieser Nacht hat sich das Social Network deutlich zu einem Livestreaming-Ansatz bekannt. Anstelle von mehr oder weniger zufälligen Updates der eigenen Freunde sieht man dort nun jegliche Aktivitäten aus dem eigenen Netzwerk. Ein ‚live Lifestream‘ in Twitter- bzw. Friendfeed-Manier also. Aufgrund der Fähigkeit von Facebook, Ereignisse aus externen Anwendungen wie z.B. Delicious oder Flickr zu importieren, erinnert es eher an Letzteres. Sieht man mal von der Tatsache ab, dass Friendfeed bis dato noch einen wesentlichen Vorsprung vor Facebook hat, was die Anzahl der aggregierbaren Dienste anbelangt, stellt sich die Frage: „Braucht es Friendfeed dann überhaupt noch?“. Immerhin ist die Nutzerzahl von Facebook wesentlich höher als die des ziemlich geekigen Friendfeeds.

 

Soweit richtig, dennoch gibt es einen elementaren Unterschied: Facebook ist ein geschlossenes System, Friendfeed ein offenes. Nicht nur sind Friendfeed-Profile auch ohne Registrierung für Andere einsehbar, hinzu kommt, dass im Gegensatz zur „Freundschaft“ auf Facebook kein gegenseitiges Einverständnis nötig ist, um die Inhalte einer Person zu sehen. Halte ich die gebündelten Aktivitäten von jemandem für Interessant, folge ich Ihm bei Friendfeed und verpasse fortan nichts mehr. Bei Facebook hingegen muss auch ich als interessant genug empfunden werden um eine Freundschaftsbestätigung zu bekommen. Denn eigentlich, auch wenn nicht jeder dies so sieht, ist Facebook eine Plattform zur Vernetzungen mit Real-Life-Kontakten.

Wie also sieht eine mögliche Koexistenz der beiden Dienste aus? Denn, soviel ist sicher, für den 08/15 User ist Friendfeed derzeit kaum interessant und durch das Facebook-Update nahezu redundant geworden. Die Daseinsberechtigung von Friendfeed ergibt sich in meinen Augen durch die Offenheit des Services. Daher sehe ich seine Zukunft als Publishing-Aggregator. Veröffentliche ich relevante Inhalte für den Rest der Welt an verschiedenen Stellen des WWW so sind sie bei Friendfeed bestens gebündelt aufgehoben. Triviales, wie meine neusten Flickrbilder (außer ich bin Fotograf) oder meine Lieblingssongs (außer ich promote Musik) haben dort in meinen Augen nichts mehr zu suchen. Diese Informationen will ich in der Regel eher mit meinen privaten Bekanntschaften und Freunden teilen und dies kann ich bestens über Facebook.

Solch eine professionelle, öffentliche, Nutzung macht es natürlich nötig, den eigenen Content besser Filtern zu können. Hier sollte Friendfeed arbeiten. Etwa sollen z.B. nur meine Twitterupdates mit einer URL, oder meine Flickrfotos mit dem Tag ‚Business‘ in meinem Feed erscheinen. Eine derartige Spezialisierung würde außerdem natürlich dazu führen, dass Friendfeed nur für eine (noch) kleinere Personengruppe interessant wäre. Allerdings ist der Nutzwert durchaus hoch. Etwa für (Online-)Journalisten, die sich so eine umfassende Referenzliste aufbauen wollen oder für PR-Agenturen, die ihre Veröffentlichungen zielgenau und gebündelt zusammenfließen lassen wollen. Daher scheint es in meinen Augen durchaus möglich, ein Premium-Model einzuführen und künftig Gebühren zu verlangen.

Zusammenfassend: Ich sehe das „neue“ Facebook als ideale Möglichkeit in Echtzeit mit meinem engeren sozialen Netzwerk in Kontakt zu bleiben. Endlich bekomme ich sämtliche Updates meiner Bekannten zu sehen ohne von Hand suchen zu müssen. Dies macht Friendfeed natürlich massive Konkurrenz und der Service muss sein Modell überdenken. Eine Fokussierung auf professionelle Content-Aggregation und Publishing scheinen mir sinnvoll zu sein (was übrigens die Frage nach einer Namensänderung mit sich bringen würde).   

Wie seht Ihr das? Sollte Friendfeed sich verändern oder alles beim Alten belassen? Oder habt Ihr einen ganz anderen Ansatz?

Thomas Euler (@ Twitter: ThomasE)

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Im Zuge eines Gesprächs mit einem Consultant aus der IT-Branche kamen wir auf IPTV zu sprechen. Ich hatte mich beklagt über die mangelhaften mobilen Internettarife, und er lieferte mir den Grund: Die Provider bauen derzeit alle Bandbreiten für IPTV aus und wollen es massiv in den Markt drängen. Grund genug, sich mit dem Thema ein wenig genauer auseinanderzusetzen und sich schon frühzeitig Gedanken darüber zu machen, wie IPTV Werbung und Kommunikation beeinflussen wird.

[den ganzen Beitrag im PR Blogger lesen

Thomas Euler

In den letzten Tagen bekam ich gehäuft Fragen gestellt, was Twitter eigentlich sei, warum ich twittere, was das Tool eigentlich bringen soll und warum ich mich so wichtig nehme, dass ich der Welt meinen Alltag mitteile. Und warum ich mich total transparent mache.

Vorneweg

Letztere Frage ist bei einem Dienst wie Twitter sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Doch es ist wie mit nahezu allen Dingen: Letztlich entscheidend ist, wie ich es nutze. Und ich achte genau darauf, was und wieviel ich via Twitter publik mache. Will man das Tool im professionellen Kontext nutzen, sollte man sich nämlich stets bewusst machen: Man agiert im öffentlichen Raum. Will man privates oder intimes twittern, sollte man seine Updates auf „protected“ stellen.

Eine kurze Erläuterung

Doch zunächst eine knappe Erklärung für all diejenigen, die den Dienst noch nicht kennen und wissen möchten, was es damit auf sich hat. Twitter ist ein sogenannter Microblogging-Dienst, ähnlich wie auch beispielsweise Jaiku oder Pownce. Die Funktionalität ist ziemlich simpel: In 140 Zeichen verfasst man einen kurzen Text und kann diesen dann veröffentlichen. Dies funktioniert via Website, Handy und Instant Messaging und ist überschrieben mit der Frage: What are you doing? Was tust du grade?

Diese Updates werden dann automatisch an alle Freunde verschickt, die sich bei Twitter tummeln. Umgekehrt sieht man natürlich auch deren neusten Einträge.

Wofür kann ich das gebrauchen?

Diese Frage stellt sich prinzipiell jeder, der zum ersten mal von dem Dienst hört. Bei mir war es nicht anders. Dennoch habe ich mich seinerzeit angemeldet, da ich quasi berufsbedingt ein natürliches Interesse an Kommunikation und entsprechenden Tools habe. Mittlerweile will ich den Service nicht mehr missen. Warum? Dies hat mehrere Gründe auf diversen Ebenen.

1 . Der Reiz des Unbedeutenden

Ein elementarer Bestandteil unseres Lebens besteht aus, oft als Nichtigkeiten abgetanen, Alltagsgeschehnissen. Doch sind es genau diese Kleinigkeiten, die unser Dasein in weiten Teilen bestimmen. Sich mit Freunden über die schimmlige Milch zu unterhalten, die man gestern gekauft hat, gehört ebenso zum Leben, wie der Bericht darüber, wie das Essen im Restaurant war. Diese Dinge machen einen (je nach Nutzer größer oder kleineren) Teil des Getwittere aus. Für sich genommen vielleicht alles tatsächlich unbedeutend und nichtig – trotzdem aber Teil des Lebens. Und Twitter macht es möglich, auch über große Distanzen ein bischen davon zu teilen. Mit Freunden, der Familie oder sonstigen Personen. Und dadurch Teilhabe am eigenen Leben zu ermöglichen.

2. Kurzfristige Kommunikation

Kein anderes Tool macht es so einfach, mit einer großen Menge Leute derart zeitnah zu kommunizieren. Erkennt man die richtigen Anwendungsmöglichkeiten, ergeben sich interessante Ansätze.

Beispielsweise ist es mittlerweile bereits des öfteren praktiziert worden, von einer Veranstaltung live zu Twittern. Somit kann man auf der einen Seite unmittelbar Informationen von dort nach außen fließen lassen, auf der anderen Seite aber auch einholen. Richtet man für einen Event einen Twitterchannel ein, erhalten auch Menschen die Chance dazu, Fragen zu stellen oder Anregungen zu geben, die nicht vor Ort sein können.

Interessant ist es auch als Social Tool, um etwa interessante Artikel, skurrile Videos oder anders an sein Twitternetzwerk zu empfehlen. Oder um eine Frage (z.B. „Suche Webentwickler, wer kann helfen?“) problemlos an eine Menge Leute zu stellen und schnell Antworten zu bekommen. Natürlich ein entsprechend großes Netzwerk vorrausgesetzt. Wer weitere Anwendungsmöglichkeiten sucht, findet mehr zu dem Thema etwa bei Klaus Eck oder Oliver Ueberholz.

3. Steuerung der eigenen Reputation

Betreibt man Kommunikation in einem professionellen Umfeld, so ist die eigene Reputation stets im Fokus aller Bemühungen. Twitter kann dabei einen Baustein darstellen, der die sonstigen Bemühungen, wie ein Blog oder eine Website, komplettiert. Nicht nur, dass Twittereinträge recht schnell von Google indexiert werden, sie ermöglichen auch einen unkomplizierten Blick darauf, mit was sich eine Person aktuell befasst. Durch gezielte Nutzung kann ich bestimmte, für mich relevante Facetten meiner Person betonen und präsentieren.

4. Twitter als Gedächtnisstütze

Wenn ich in der Uni sitze oder in einem anderen Zusammenhang etwas interessantes höre, das aus oben genannten Gründen auch inhaltlich zu meinem Twitter-Channel passt, protokolliere ich es dort kurz. Somit kann ich es jederzeit wieder finden und auf die Information zurückgreifen. Im Gegensatz zum klassischen Protokoll haben außerdem andere Menschen die Chance, sich dazu zu äußern und mir so eventuell weiteren Input zu geben. Sporadisch blättere ich auch mal durch meine älteren Beiträge und stoße auf Dinge, die ich beinahe vergessen hätte.

Take it or leave it

Wie also deutlich wird, kann Twitter durchaus ein nützliches Tool sein, das nebenbei auch noch einen gewissen Charme mit sich bringt. Wirklich erklären kann man den Reiz vermutlich dennoch nicht, weshalb ich letztlich nur jeden dazu auffordern kann, mit dem Tool ein wenig zu experimentieren. Wenn es gefällt und als nützlich erachtet wird, bleibt man dabei, sonst lässt man es eben wieder sein.

Thomas Euler

Weiterführende Infos:

Ein interessantes Video zum Thema von Technology Review

Twitter als Publicity Network bei CenterNetworks

10 Twitter-Thesen vom PR-Blogger

17 Anwendungsideen vom Webworkblogger

Und zuletzt natürlich: Mein Twitter-Channel

Sebastian Vesper macht sich im PR Report Gedanken über den derzeit viel strapazierten Begriff „Verantwortung“:

Von „Verantwortung“ ist in letzter Zeit viel die Rede, wenn es um professionelle Kommunikationsarbeit geht. Alle Welt redet davon. Verantwortung, Ethik, Nachhaltigkeit – klingt alles gut. Wer aber trägt Verantwortung? Was bedeutet Verantwortung im Rahmen gesteuerter Kommunikation? Wo liegt Ihre persönliche Verantwortung?

Absolut lesenswerter Artikel. Meine Meinung zu CSR in Kurzform: Natürlich ist es keineswegs verkehrt, sich als Unternehmen in gesellschaftlichen Belangen engagiert zu zeigen. Wenn dies allerdings nur aus taktischen Beweggründen und mit der Absicht geschieht, das eigene Image aufzupolieren, stimmt da was nicht. Stattdessen sollte es aus einer Überzeugung heraus selbstverständlich sein, sich dergestalt zu verhalten. Und solch ein Unternehmertum gab es schon lange vor der Einführung immer neuer Schlagwörter. Und hoffentlich noch lange nach ihrem Verschwinden.

Thomas Euler

Nur ein kurzer Hinweis: Seit ein paar Tagen bin ich Praktikant einer Münchner PR-Beratung. Von Dortmund aus. Wo genau, wie das geht und warum, steht hier. Dort finden sich künftig also auch regelmäßig Beiträge von mir.

Übrigens ein tolles Beispiel, wie Internet das echte Leben mittlerweile beeinflusst. Ohne Web wäre ich vermutlich nie auf das Praktikum aufmerksam geworden, ohne Web wäre unsere Arbeitsweise kaum realisierbar und ohne Web hätte ich einen interessanten Menschen weniger kennengelernt. Wobei es heute sogar noch weiter ging. Denn ich habe mich heute auch mit Katja und Annette von Pott2Null getroffen und ein interessantes Gespräch gehabt. Der Kontakt kam, wie sollte es anders sein, übers Internet zustande. Und zu allem Überfluss hat mir Robert auch noch einige gute Tipps zu unseren Gründungsplänen gegeben. Spannend, dieses Netz.

Thomas Euler

Interna:

Da ich als einer der Organisatoren des Kurzfilmfestivals XXS, das an diesem Samstag stattfindet (CineStar Dortmund, ab 19:00 Uhr, Karten im VVK), naturgemäß ziemlich viel zu tun habe, kann es diese Woche hier etwas ruhiger zugehen. Just for info.

Links:

New Study: It’s All About Product Reviews

Eine amerikanische Studie zeigt, dass mittlerweile über 60% der Konsumenten vor einer Anschaffung Online-Produktreviews lesen. Noch interessanter ist allerdings, dass von diesen Lesern fast 70% auch mit Freunden und Verwandten über diese Informationen reden. Unterstreicht die Wichtigkeit von Word-of-mouth.

Werbeoffensive im Web 2.0

Sowohl Facebook als auch MySpace schicken sich an, in Punkto Targeting zuzulegen. Nötig, wenn magere 0,04% Klickraten nach oben zulegen sollen. Wobei klassische Ad-Werbung in meinen Augen sowieso nicht den eigentlichen Möglichkeiten gerecht wird, die FB und Konsorten marketingtechnisch bieten.

Yahoo startet Geodienst und Studentennetzwerk

Yet another Social Network ist man hier geneigt zu sagen. USP soll sein, Karrierenetzwerk für Studenten zu sein. Sozusagen das Xing für Studis. An sich sicherlich kein dummer Gedanke, aber andererseits frage ich mich, warum man als anvisierter User dann nicht direkt zu Xing gehen sollte. Oder Facebook kompetent zu diesem Zwecke nutzen. Werde mir die Sache bei Gelegenheit aber mal genauer angucken.

Wenn der Chef bloggt

Artikel über Corporate Blogs beim Managermagazin. Geht der Frage nach, wann sich ein Blog für ein Unternehmen lohnen kann und wie ein solches Corporate Blog dann ausgerichtet sein sollte.

Die Idee ist so einfach wie genial: Ebay Frankreich schaltet bald erstmals einen Werbespot im dortigen Fernsehn. Was dort zu sehen sein wird, bestimmt das handeltreibende Ebayvolk selbst. Denn jeder Ebayer hat die Möglichkeit, Platz in dem Spot zu kaufen. Das funktioniert so, wie man es von Ebay kennt. Jeder User kann in einer Auktion um den Platz mitbieten, Die Erlöse werden gespendet. Zugelassen sind Produkte aus zehn Kategorien, darunter Damenmode oder TV-Equipment.

EbayFR

Die beiden bereits abgelaufenen Versteigerungen lagen am Ende beide etwa bei 2000€. Die Auktion in der Kategorie Auto läuft noch, derzeitiger Stand ist schon über 4000€ – soviel also zur preislichen Dimension. Für die Hilfsorganisationen werden also ganz nette Summen herausspringen. Doch ums Geld geht es hier nur sekundär, was zählt, ist der zu erwartende Buzz um die Idee. Die nämlich ist äußerst gelungen, überträgt sie doch das übliche Ebayverfahren auf die Fernsehwerbung. Hier kann man von einer echten Innovation sprechen. Gepaart mit dem gemeinnützigen Verwendungszweck der Erlöse, sollte ein entsprechendes Presseecho sicher sein. Weitere Anwendungsfälle eines solchen Modells sind daher durchaus denkbar.

(via Adverblog)

Unsere Welt verändert sich mit enormer Geschwindigkeit. Dem gegenüber steht ein System von Normen, die das Miteinander im alltäglichen Leben regeln, kurz die Etikette. Die jedoch ist weitaus schwerfälliger als die Technik. Mittlerweile ist es also berechtigt, sich Gedanken darüber zu machen, wie sich jener Wandel auf die Umgangsformen auswirkt.

Nun stellt sich mir grade folgende Frage: Wie verhält es sich mit ‚Freundesanfragen‘ in einem Social Network, wenn es sich um eine berufliche Beziehung handelt, in der die Hierarchien klar sind? Beim Händeschütteln wäre es ebenso klar, wie beim Anbieten des „Du“: der Höherstehende würde hier das jeweilige Angebot machen. Ist dies aber auf das eigentlich hierarchielose Beziehungsgeflecht eines SN übertragbar? Oder gilt hier viel mehr der Grundsatz, dass eben derjenige anfragt, der den anderen zuerst entdeckt? Vielleicht auch alles sinnlose Gedanken, weil in Zeiten der totalen Vernetzung solche altbackenen Prozeduren nur kommunikations- und damit schlimmstenfalls auch innovationshemmend wirken?

Ich weiß es nicht und lasse mich hierüber gerne aufklären.

In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass ich mich mit lieben und klugen Leuten unterhalte und feststelle, dass ich in einer anderen Welt lebe. Dieses Gefühl kommt zumeist dann auf, wenn es um das Thema Internet und Kommunikation geht.

Es fängt manchmal schon bei ganz simplen Dingen an – beim Wort „Blog“ zum Beispiel. Ich weiß nicht, wie vielen Leuten ich schon erklären musste, was ein Blog ist. Während also viele Leute nicht mal wissen, worum es sich dabei handelt, ist es für mich alltäglich, eine Vielzahl von Blogfeeds in meinem Feedreader zu lesen. Blogs zählen genauso zu meinen normalen Informationsquellen wie etwa Tageszeitungen (primär natürlich deren Onlineausgaben).

Ebenso normal, beinahe schon trivial, ist in meiner Welt das Nachschlagen eines Begriffs bei Wikipedia. Oder, bei entsprechender Zeit, auch mal das ziellose Stöbern und Sich-Treiben-Lassen beim klicken durch die Enzyklopädieartikel. Bei weitergehendem Interesse an einer Thematik habe ich dann binnen weniger Minuten entsprechende Fachartikel, Meinungen, etc. auf meinem Bildschirm – Google sei dank. Daher kommen mir Aussagen von Mitmenschen, wie etwa: „Vor ein paar Tagen musste ich an Stefan Zweig denken – weißt du noch, wie seine zweite Erzählung hieß?“, komisch vor. Mit zwei bis drei Mausklicks wäre die gefragte Information ohne Probleme verfügbar gewesen.

Dies sind dann die Momente, in denen ich vor Augen geführt bekomme, dass ich dem gemeinen Bürger um einige Zeit voraus bin, was meine Internetnutzung anbelangt. Dies sollte man sich, grade als digital vernetzter Mensch wie ich es bin, immer vor Augen führen. Denn allzu schnell verliert man andere im Gespräch, wenn sie den eigenen Gewohnheiten nicht folgen können.

Meiner Mutter etwa die Vorzüge der Kommunikation mit Hilfe von Twitter erklären zu wollen, wäre vermutlich ein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Zunächst müssen die Grundlagen gelegt werden: Instant Messaging, Google Alerts, etc. Dann kann man weiter sehen. Bei anderen Themen wie UGC oder Tagging dürfte es ähnlich aussehen.

Ich möchte behaupten, dass ich in Sachen Informationsverwaltung und -organisation dank meines digitalen Lebensstils durchaus Vorteile gegenüber jemandem habe, der nicht so arbeitet wie ich. Also Interessantes bookmarken, mit Tags versehen, ein Blog betreiben, Informationen nicht suchen sondern dank RSS geliefert bekommen, Beziehungen mit modernen Kommunikationstools pflegen, etc. Daher versuche ich, andere Leute aufzuklären und sie mit diesen Dingen vertraut zu machen.

Auf der anderen Seite ist dies aber keine einfache Sache und Fakt ist: der Großteil der Menschen geht mit Informationen eben noch anders um. Dies letztlich muss man immer dann bedenken, wenn man professionelle Kommunikationsmaßnahmen plant. Es ist nämlich verlockend zu denken, das Internet richtet es schon, doch ist dies eben nur für manche Bezugsgruppen richtig. In einer breit angelegten Maßnahme würde ich also keineswegs aufs Fernsehen verzichten – auch wenn ich privat ein entsprechendes Empfangsgerät aus meinem Leben verbannt habe. Wozu gibt es schließlich das Internet?

Bin grade dabei ein Konzept für ein Weblog meiner Akademie zu schreiben. Wie generell bei Corporate Blogs muss sich natürlich auch in diesem Fall mit der Frage nach dem Umgang mit Kritik beschäftigt werden. Hier mal in Auszügen, was ich dazu ins Konzept geschrieben habe:

Der Umgang mit kritischen Stimmen

Vorweg eins: Wer ein Blog betreibt, gibt die Kontrolle über die eigene Marke automatisch ein Stück weit aus der Hand. Dies wird durch die wunderbaren Möglichkeiten kompensiert, die durch neue Kontakte und den direkten Dialog entstehen. Allerdings ist klar, dass man als bloggendes Unternehmen nach der tatsächlichen Güte der eigenen Leistung beurteilt wird. Dies darf jedoch nicht als Gefahr gesehen werden, sondern sollte Ansporn sein, sich stets zu verbessern. Dies wird auch von den Bezugsgruppen honoriert und geht mit einer gesteigerten Glaubwürdigkeit einher.

1. Kritik in den Autorenbeiträgen

Da sich die Blogger aus einem Team von Freiwilligen zusammensetzen […], ist nicht von sinnlosen Verbalattacken auf die Institution zu rechnen. Die bereits erwähnte Wichtigkeit der Webidentität hat ebenso Einfluss, wie auch die Erkenntnis, dass es kontraproduktiv wäre, seine eigene Ausbildungsstätte zu diffamieren.

Berechtigte und konstruktiv vorgetragene Kritik jedoch ist sowohl legitim wie auch wünschenswert, da sie gleichzeitig die Chance bietet, sich kontinuierlich zu verbessern. Dies muss Ziel jedes Unternehmens sein, schon der eigenen Konkurrenzfähigkeit wegen. Diese Form der Kritik wirkt kaum rufschädigend, da das Fehlermachen normal und menschlich ist. Im Gegenteil: Durch den offenen Umgang mit den eigenen Schwächen gewinnt die Glaubwürdigkeit und durch die Beseitigung der Mängel steigt das Ansehen und die Qualität des eigenen Service.

[…]

Um den authentischen Charakter des Mediums „Blog“ zu wahren, darf hier keine Zensurkultur Einzug halten. Dies würde auch nach außen hin schädigend wirken. Hier gilt: Vorbeugen durch gute Arbeit sowie Selektion der Autoren nach Vertrauen.

 

2. Kritik in den Kommentaren

Die Kommentarfunktion macht den Blog erst zu einem dialogorientierten Medium und stellt somit seine große Stärke etwa im Vergleich mit einem Printmedium dar. Wie erwähnt, wird hier aber auch die vollkommene Kontrolle über das eigene Markenimage (falls es diese überhaupt je gab) aufgegeben.

[…]

Als Maßstab für die Legitimität eines kritischen Kommentars soll die Rechtmäßigkeit des erhobenen Vorwurfs und die Art und Weise der Vorbringung dienen. Hier gilt: Unwahre Aussagen werden sofort gelöscht, ebenso wie Beleidigungen und explizite Rufschädigungen an Unternehmen oder Personen.

Kurznotiz

Grade beim Fischmarkt gelesen: Das Daimlerblog ist heute online gegangen. Der Start wurde ja schon einige Zeit mit Spannung erwartet, nun ist es also soweit. Noch kann man natürlich nicht viel über die Qualität sagen, erst zwei Beiträge sind online, zumindest aber das Design gefällt und wirkt souverän.

Irgendwo hatte ich mal gelesen, das es allen Mitarbeitern freistehen sollte, dort zu schreiben. Ob dies so stimmt konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen, zumindest folgendes findet sich aber in der Seite zum Warum des Blogs:

Dieses Blog wird von Daimler-Mitarbeitern geschrieben. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Konzerns und sind keine geübten Blogger. Aber wir wollen dazulernen.

Man darf also gespannt sein, wie sich das Blog entwickelt (ob der oder das Blog, darüber besteht übrigens bei Daimler Uneinigkeit, was lustig verpackt am Schriftzug oben rechts deutlich wird) . Wurde ja bisweilen hoch gehandelt als entscheidender Faktor über das künftige Standing von Corporate Blogs in Deutschland generell. Man wird sehen.

SNsCollage Ich gestehe: Seit einigen Tagen verspüre ich ein Kribbeln im Bauch. Vielleicht habe ich mich verliebt. Noch will ich es mir eventuell nicht ganz eingestehen, aber doch, es könnte sein. Es wäre das erste mal, dass ich mich einem Social Network geschlagen gebe. Aber mir scheint: Facebook hat dieses Potential.

Ich habe schon ein paar durch, genauer gesagt bin ich ein Internetkind der, naja, zweiten Stunde. Ich kenne noch klassische Forencommunities und als Uboot seinerzeit neu war, hatte ich dort einen Emailaccount – die ganzen „make friends“-Optionen interessierten mich nicht weiter. Dann lange Zeit nichts und irgendwann dann OpenBC, jetzt Xing. Das war grade heiß als ich mein Praktikum in der Cosmopolitanredaktion machte und natürlich schaute ich mal rein. Vermutlich ganz nützlich, aber irgendwie mochte der Funke nicht überspringen. Außerdem kostete es Geld und als Praktikant und dann Student ist dies die knappeste Ressource. Das gleiche Problem hielt mich dann auch davon ab, ein Fan von StayFriends zu werden.

Dann boomte StudiVZ und daher war für meine Altersgruppe auch jedes Stayfriends überflüssig (weshalb es auch keine lange Halbwertszeit haben wird). Anfangs war es ganz nett – dieser und jener alte Schulkamerad, ein neuer Mitstudent da, der macht nun dies und jener das. Ja, ein paar Tage war es ganz kurzweilig, sich so voyeuristisch zu betätigen. Aber allmählich schwand der Reiz. Nachrichten kann ich auch via Email verschicken, außerdem gibt es ja das Telefon. Gruppen sind kaum zur Diskussion geeignet, da das Forensystem nichtmal mit dem schlechtesten kostenlosen Forenhoster mithalten kann, und stellen somit kaum mehr da, als ein einzeiliges Statement auf dem eigenen Profil.

Somit ist mein derzeitiges Nutzungsverhalten dieses: alle paar Tage gucke ich bei StudiVZ rein, immer wenn ich grad dran denke, und sehe: Ah, wieder keine Nachricht, nichts auf der Pinwand und tschüß. Es bietet schlicht keinen wirklichen Mehrwert. Außer vielleicht dann und wann, wenn mich ein Freund anruft und sagt: „Mensch, da hab ich ein heißes Mädchen kennengelernt, guck dir die mal bei StudiVZ an“. Dann gucke ich nach, fühle mich als Voyeurist aber denke: Wer sein Profil nicht schützt ist ja auch selber schuld. Dank dieser eigentlichen Entäuschung haben mich dann Wer kennt wen, Lokalisten und Co. nie wirklich gereizt.

Und so waren bis vor ein paar Tagen Social Networks zwar immer irgendwie da, aber auch stets irgendwie ohne Relevanz und ohne Nutzwert. Aber nach immer mehr positiven Berichten über Facebook, etwa hier oder hier, gab ich dem StudiVZ-Vorbild auch mal eine Chance. Nach ein paar Minuten waren meine Gedanken: Wow! Cool. Was das alles kann! Oh, sowas gibt es auch, wahnsinn! Warum hat StudiVZ sowas nicht? Applications, ist ja cool.

Was es ist, das mich so euphorisch stimmt? Die Fähigkeit von Facebook, alle möglichen anderen Inhalte seiner eigenen Webaktivitäten zu bündeln und auf einer Seite zu aggregieren, was Facebook dank seiner offenen Struktur und den so möglichen Applications kann. Das ist durchaus clever uns sehr relevant, denn erstmals kann ich wirklich simpel mein getwittere, meine Bloginhalte, meine Bookmarks etc. zusammenführen und mir so eine universelle und (ganz wichtig:) kontrollierbare Webidentität schaffen.

BlogTwitFB

Das aber alleine ist erst der halbe Clou. Wirklichen Mehrwert bietet Facebook erst dadurch, dass all diese Aktivitäten in Form des Mini-Feeds gebündelt werden und automatisch in meinem Netzwerk weitergeleitet werden. Während man also für wirkliche Neuigkeiten in seinem Bekanntenkreis bei StudiVZ mühsam jedes Profil abklappern muss, in der Hoffnung, dass die Leute sowas auf die eigene Pinwand schreiben, weil es Minifeeds eben nicht gibt, bekommt man es bei Facebook geliefert. Es ist, reduziert auf einen Satz, nicht mehr und nicht weniger als die Schaffung eines automatisierten Kommunikations- und Neuheitennetzwerks zwischen Menschen.

NewsfeedFB

Das finde ich äußerst spannend und extrem nützlich. Warum die Liebe trotzdem noch nicht voll entbrannt ist? Nun, noch habe ich kaum ein Netzwerk und bemühe mich erstmal darum, die Schaar der StudiVZ-Jünger zu bekehren. Dann wird sich das begeisternde Konzept in der Praxis bewähren müssen. Allerdings spricht vieles dafür, dass dies durchaus gelingen kann. Schöne neue Welt!

Thomas Euler

Links:

Kongress der Weißwäscher

Eine interessante Zusammenfassung des Kommunikationskongress 2007 gibt es bei Telepolis. Man erhält etwa Einblicke in das Seelenleben des EADS-Pressesprechers während der fortdauernden Unternehmens- und Kommunikationskrise, erfährt wie sich Wirtschaftsjournalisten die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen vorstellen und vieles mehr.

Dabei wird die Branche und ihr Selbstverständnis natürlich auch kritisch beäugt:

Interessant ist der Krisenbegriff, den die PR-Experten dabei im Munde führten. Denn nicht die Schattenseiten der Geschäftspolitik – Fehlinvestitionen etwa oder Preisabsprachen, der Verstoß gegen Umweltschutzauflagen oder die Kinderarbeit in Zuliefererbetrieben, das Bestechen von Betriebsräten oder das Aufstocken der Managerbezüge in surreale Höhen – nicht die Missstände im Unternehmen also gelten als krisenhafte Erscheinung, sondern das Publikwerden der Missstände.

Überwachung macht unsicher

Absolut zutreffende Einschätzungen über die Folgen der zunehmenden Überwachung findet man in diesem Zeit-Artikel. Knapp: Wer sich überwacht fühlt, handelt deswegen bereits anders und büßt somit Freiheit ein. Sehr richtig, wie ich finde.

Google News ohne Politically Incorrect

Wie Stefan Niggemeier berichtet ist das „Szeneblog der Rechten“ nun keine Quelle mehr für Google News. Da Blogs allerdings in der Regel gar keine Quelle für die Nachrichtensuche darstellen sollen, darf man sich die Frage stellen, wie es überhaupt dazu werden konnte. Im Übrigen pflichte ich Stefan Niggemeier natürlich bei, wenn er fordert die Selektionskriterien von Google über deren Nachrichtenlieferanten öffentlich zu machen. Würde dem oft gescholtenen Datenriesen sicherlich einen Vertrauensbonus bringen.

Twittergründer im Interview

Bei Robert ist ein Interview mit einem der Twittergründer zu sehen. Er redet über die Entwicklungszeit, Nutzungsmöglichkeiten, Perspektiven und eben über mögliche Monetarisierung. Bei letzterem ist er weniger konkret, doch schildert er etwas anderes: als Experiment sozusagen haben sie bei Twitter mal eine Stunde nach diversen Verben gefiltert. Raus kam ein Überblick über das, was die Leute grade gucken, essen, hören, etc.. Wenn Marketingleute hier keine strahlenden Augen bekommen, weiß ich es auch nicht. Und das ist nur der offensichtlichste Nutzungsansatz. Aber: Erstmal wird bei Twitter auf Ausbau der Leistung und des Service gesetzt, der schnelle Exit also scheinbar nicht angestrebt. Finde ich begrüßenswert – wer nur des schnellen Geldes wegen Unternehmen gründet, kommt mir immer etwas suspekt vor.

Gedankenwelten:

Mit einem Kommilitonen arbeite ich derzeit an einem, wie wir finden (wäre ja auch schlimm wenn nicht), interessanten Konzept. Nur soviel: Es geht um Mode und Internet, um Barriereabbau und Social Shopping. Dazu suchen wir vor allem noch einen/mehrere Programmierer/Web-Developer, die gerne Neues umsetzen und sich so an einer (hoffentlich) vielversprechenden Sache beteiligen möchten. Details zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Blog – aber im Impressum findet man meine Emailadresse. Wer sich also berufen fühlt und zumindest mal Näheres hören will, der möge sich melden. Investoren natürlich gerne auch ;)