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Die Marke Mensch

Manchmal ist es schon komisch. Diesen Artikel zum Thema „Menschen als Marke“ habe ich seit ein paar Tagen im Kopf und heute unterhalte ich mich mit einigen Kommilitonen, als eine der anwesenden Damen zu mir sagt: „Du bist ja auch schon fast eine Marke!“.

Womit wir direkt beim Thema wären. Immer öfter lese ich Sätze wie den, dass der- oder diejenige quasi eine Marke sei („Die Marke Franz Beckenbauer“o.ä.). Stimmt das also? Ist Franz Beckenbauer eine Marke? Ich behaupte: Nein. Denn er ist ein Mensch. So banal es klingt, so fundamental ist diese Aussage. Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch.

Natürlich klingt es unwahrscheinlich hip, von einer Person als Marke zu sprechen. Und siehe da, betrachtet man die Funktionsweise einer Marke, könnte tatsächlich der Eindruck entstehen, an der Aussage sei was dran. Ein Kernelement der Marke ist ihr Image. Kevin Lane Keller definiert – man verzeihe mir den kleinen Ausflug in die Markentheorie – dieses folgendermaßen:

„Das Markenimage kann als Wahrnehmung einer Marke, die in Form von Markenassoziationen im Gedächtnis von Nachfragern repräsentiert sind, definiert werden.“

(aus: Conceptualizing, measuring, managing customer-based brand equity; Journal of Marketing Vol. 57)

Marken schaffen also Images, Eindrücke bei den Menschen. Sie zielen darauf ab, ein bestimmtes Bild in unseren Köpfen zu erzeugen. In Web 2.0-Sprech sozusagen eine Werte-Cloud schaffen, die wir fix mit ihr verbinden. Das macht Franz Beckenbauer auch. Sehen wir ihn oder hören seinen Namen, denken wir an Dinge wie: Erfolg, Erfahrung, Fußball und Respekt. Oder ähnliches.

Haben sie also doch Recht, die Menschen Marken schimpfen? Auf zwei Wege gleich kann man sie widerlegen. Nummer eins, der wissenschaftliche:

„Im Kern stellen Marken schutzfähige Zeichen zur Unterscheidung von Produkten dar.“

So die Definition der American Marketing Association. Eine Marke ist, auch laut deutschem Recht übrigens, ein geschütztes Zeichen. Dies können etwa Bild- und Schriftzeichen, Hörzeichen oder Personennamen sein. Herr Beckenbauer könnte also durchaus sogar zur Marke werden – er müsste sie sich allerdings schützen lassen. Hat er nicht, also ist er auch keine Marke.

Der zweite Weg allerdings ist wesentlich spannender. Nochmal zurück zum Markenimage: Eine Marke, die ein Unternehmen, ein Produkt oder eine Dienstleistung kennzeichnet, soll durch geschicktes Markenmanagement mit Inhalten, seien es Werte oder Emotionen, aufgeladen werden. Beispiel: Die Deutsche Bank ist ehrlich. Ist sie aber nicht. Die Deutsche Bank ist ein Unternehmen. Ehrlich kann sie erst durch die Menschen werden, aus denen sie besteht.

Dies ist letztlich auch die Leistung der Marke, Eigenschaften, die einen Menschen auszeichnen können, auf ein Unternehmen oder Produkt zu übertragen. Genau aus diesem Prinzip haben sich Marken einst entwickelt. Menschen haben ihren Namen auf die Produkte geschrieben, die sie herstellten und damit für deren Qualität gebürgt. Dies haben sie schon in der Antike getan und ein Herr Hipp tut es noch heute.

Positiv ausgelegt wäre die Marke Franz Beckenbauer damit eine Unnötige Doppelung (Der Mensch ist eine Marke die wie ein Mensch wirken soll). Negativ gesehen stellen derlei Worte die Perversion zur Schau, mit der heutzutage immer neue Konzepte geschaffen werden, um Vermarktbarkeit zu schaffen. Setzen sie sich durch, haben Prominente bald ihre eigenen Markenmanager. Die dann dem Menschen ein menschliches Image aufdrücken müssen. Unser Beispiel Beckenbauer könnte sich dann zurücklehnen und einfach nur Produkt sein. Einen Menschen machen dann ja andere aus ihm.

So war die XXS

Einige Tage war es hier nun still – den Grund hatte ich erwähnt: Das Dortmunder Kurzfilmfestival, die XXS, musste punktgenau organisiert werden und da blieb in den letzten Tagen nicht viel Zeit für anderes. Am Samstag war es dann soweit und vorweg das knappe Fazit: Es war ein toller Abend!

So zumindest das Feedback, das wir von vielen, vielen Leuten bekommen haben. Und zum Teil auch von Personen, bei denen man im Vorfeld nicht unbedingt mit positiver Resonanz rechnen konnte, was einen dann natürlich besonders freut. Wie bei jeder Veranstaltung gab es selbstverständlich einige Dinge, die nicht geklappt haben wie geplant (man stelle sich meinen Gesichtsausdruck vor, als 15 Minuten vor Vorführungsbeginn unser Techniker via Funk meldete, wir sollen Ersatz beschaffen, weil er sich permanent erbrechen muss), letztlich entscheidet allerdings der Gesamteindruck, den die Besucher haben. Und was den anbelangt, haben wir allem Anschein nach ganze Arbeit geleistet.

Publikum

Blick ins Foyer

Wie es bei einer Live-Show natürlich immer passieren kann, hatten wir auch zwei kleinere Patzer in der Technik – einmal ein nicht eingeschaltetes Mikrofon bei der Anmoderation und später ein Film, der einige Sekunden ohne Sound lief – aber dies ist scheinbar nicht weiter ins Gewicht gefallen. Was im Übrigen wirklich begeistert hat war die Auswahl der Filme. Daher will ich auch an dieser Stelle den Filmemachern danken, die uns ihre wunderbaren Filme eingeschickt haben – ohne Euch wäre es unmöglich, so ein Festival auf die Beine zu stellen.

Preisträger gab es natürlich auch. Der kleine Filmpreis in Gold ging an Maria-Anna Rimpfl für „Wolfstraum“, gefolgt von Daniel Faigle mit „Freilandeier“ und Steffen Weinert für „der Aufreisser“ (der auch den Publikumspreis gewonnen hat). Allesamt würdige Preisträger, wie ich finde. Wobei es jeder andere auch verdient hätte. Sehr ergreifend waren auch die Dankesworte von Maria-Anna, die extra aus Polen angereist war, trotz Einwand der Freunde, sie wäre doch verrückt, nur wegen uns nach Dortmund zu fahren. Doch es hat sich gelohnt, denn noch immer kellnert sie, um ihre Arbeit an Wolfstraum zu refinanzieren. Da sollten die gewonnen 1500 Euro sicher hilfreich sein.

RimpflBühne

Maria-Anna Rimpfl bei der Dankesrede, offensichtlich ziemlich glücklich.

RimpflWand

Hier nochmal vor der XXS-Wall

Für das kommende Jahr haben wir nun deutlich mehr Vorlaufzeit als in diesem Jahr, als wir nämlich erst 3 1/2 Monate vor der Veranstaltung mit der Planung beauftragt wurden. Daher hoffen wir für’s nächste Jahr auf einen noch schöneren Abend mit vielleicht noch ein paar mehr Highlights. Ganz sicher ist übrigens, dass wir dann die Planung auch mit einem XXS-Blog begleiten werden. Dafür war in diesem Jahr leider keine Zeit mehr, ist aber sicherlich eine gute Möglichkeit, den Prozeß noch transparenter zu machen und nützliches Feedback unterwegs zu bekommen. Mehr Infos folgen dann demnächst hier.

Zum Schluss noch ein paar Impressionen vom Abend:

Entrance

Die Intro-Situation

IchinAction

Meine Wenigkeit beim Aushelfen an der Theke während des Sektempfangs

KillinginAction

Ein Blick in den Kinosaal und auf unseren Moderator Matthias Killing

Jury

Matthias Killing samt Jury (v.l.n.r: Haydar Zorlu, Tom Barcal, Kathleen Fiedler, Matthias Killing, Kamal El Kacimi, Johnny Müller und Florian Gaag)

TrioInfernale

Inez Köstel, das Organisations-Team (Laurent Schüller, Sarah Harder and MeMyself) und Matthias Killing

Laurent

Laurent at work
 

Thomas Euler

Chiptuning

Vor ein paar Tagen hatte Robert gefragt, ob sich seine Leser einen Chip einpflanzen lassen würden, der es ermöglicht, von Überall problemlos auf die Wikipedia zuzugreifen. Heute hat er das Ergebnis veröffentlicht. Von seinen Lesern würden sich
54% einen Chip einpflanzen lassen,
9% sind sich unschlüssig und
37% keinen Chip einpflanzen lassen.

(Basis: 221 Befragte)

Robert ist der Meinung, dass dies langfristig beinahe unvermeidlich kommen wird. Er könnte damit Recht haben, keine Frage. Warum ich dies aber keinesfalls gutheissen würde, habe ich auch als Kommentar geschrieben:

Ich denke (und hoffe) auch, dass dein Publikum da nicht wirklich repräsentativ ist, Robert.

Was mich am meisten beängstigt an dem Gedanken, es könnte solche Wissenschips eines Tages geben, ist es, dass Wissen damit zur bloßen kurzfristigen Information verkommt. Ein eigentlicher Wissenserwerb durch eigenes Lernen wird kaum mehr nötig sein. Doch grade dies ist ja eine Kernfähigkeit des Menschen: sich zu bilden. Wenn alle Information stets abrufbar ist, verliert sich jedoch diese Notwendigkeit. Den Menschen aber, der nichts mehr lernen, sich kein Wissen mehr mühsam aneignen muss, stelle ich mir wie die geistige Version dessen vor, was in materieller Ausprägung bei MTVs “My Sweet Sixteen” zu sehen ist. Verzogen, unreif, unreflektiert und letztlich: dumm.

Zudem: Was ist mit neuen Erkenntnissen? Wenn jeder es gewohnt ist, nur noch abzurufen, wird er dann des eigenen Denkens überhaupt noch fähig sein? Wird Innovation und Forschung dann noch über ein reines Kombinieren und Neusortieren des Bekannten hinausgehen? Ist nicht eher zu befürchten, dass aus der geistigen Faul- & Trägheit ein Unvermögen entsteht, komplexe Zusammenhänge selbstständig gedanklich nachzuvollziehen und Neues zu denken? Oder bin ich Kulturpessimist und es wie heute, nur ohne Internet-Tablett sondern mit Chip? (Oder sind wir heute schon auf dem oben geschilderten Weg?)


			

mix it up #3

Links:

In den Musikmarkt scheint Bewegung zu kommen und erfreulicher Weise in die richtige Richtung. Das zeigen zwei heute gefundene Meldungen:

US-Plattenfirmen planen iTunes-Killer

Wie der Spiegel berichtet, will die Musikindustrie, konkret Sony BMG, Warner Music und Universal, eine Musikflatrate einrichten. Preis laut dem Bericht: 5$ im Monat, den aber nicht die Kunden sondern die Gerätehersteller bezahlen sollen. Nicht uninteressant, man wird sehen. Bei Projekten, die eigentliche Konkurrenten zusammen angehen, darf man erfahrungsgemäß skeptisch sein. Der Gedanke aber allein ist bereits ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung.

Madonna kommt bei Konzertveranstalter unter Vertrag

Weg vom klassischen Plattenlabel hin zum Konzertveranstalter: Der Weg von Superstar Madonna macht deutlich, wohin sich das Gewicht in der Musikbranche verlagert. Und das ist gut so, wenn dadurch wieder Acts mit eigenem Charakter und musikalischen Qualitäten gefördert werden. Um die Studio-Retorten tut es mir da herzlich wenig leid.

Deutschland hat Probleme bei der Pressefreiheit

Heise über das diesjährige Nationenranking zur Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen

Videos:

Letzter Sex:

sevenload.com

Es ist einfach zum wegschmeißen komisch. Diese bekennende Ehrlichkeit…

Love & Sex:

sevenload.com

Ob es so ist? So ist es! Stets? Natürlich nicht, wäre ja auch langweilig.

Die Frankfurter Buchmesse ist eine der aufmerksamkeitsstärksten Messen Deutschlands, ein mediales Großevent. Bereits im zweiten Jahr hat die Messe auch das Medium „Blog“ für ihre Kommunikation genutzt. Obwohl morgen erst der letzte Messe- und damit Blogtag ist, will ich an dieser Stelle schonmal ein Zwischenfazit ziehen.Persönlich sehe und lese ich das Blog mit gemischten Gefühlen. Zum einen glaube ich, haben die beteiligten Blogger einen ganz passablen Job gemacht. Lese ich die 107 Beiträge, die mein Feedreader seit den ersten Autoren-Vorstellungen vor 10 Tagen gesammelt hat, so entsteht durchaus das wuselige Bild einer Messe in meinem Kopf. Ohne selber vor Ort gewesen zu sein. Bunt ist die Mischung der Dinge, die zu Beiträgen verarbeitet wurden. Eben all jenes, was man so auf einer Messe zu Gesicht bekommt.

Dies jedoch bringt auf der anderen Seite auch ein Problem mit sich: Für meinen Geschmack gab es zu viele Beiträge ohne erkennbaren Mehrwert, etwa wenn da über Kekse, halbe Hörbücher vom Focus oder andere Dinge, die die Welt nicht braucht bzw. wissen will geschrieben wurde. Sicherlich mag der ein oder andere dies unterhaltend finden. Auch will ich keineswegs in Abrede stellen, dass persönliche Anekdoten zum eigenen Messeerlebnisse prägend dazugehören. Aber: Letztlich soll das Blog ja die Kommunikation der „Ausstellungs- und Messe-GmbH des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels“ bereichern. Ob da Tarotkartenlegen und Kekse hilfreich sind?

Für mich ist die Fragestellung: Was soll das Blog genau leisten? Wen will ich damit erreichen und welchen Effekt soll es haben? Sicherlich sind hier zentrale Ideen:

  • den geneigten Internetuser für die Buchmesse interessieren und zum Dialog bewegen
  • aus Lesern auch Besucher machen
  • den Besuchern, auch dem Fachpublikum eine Orientierung bieten: Was gibt es zu sehen, was könnte für mich interessant sein?

und sicher nicht zuletzt:

  • den Blogleser für Bücher begeistern.

Natürlich nur ein paar mögliche Ansätze aber Controlling & Nachbereitung dürfen ja andere machen. Daher will ich nur mal diese Punkte kurz durchgehen: Weiterlesen »