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Mit dem Update von Facebook in dieser Nacht hat sich das Social Network deutlich zu einem Livestreaming-Ansatz bekannt. Anstelle von mehr oder weniger zufälligen Updates der eigenen Freunde sieht man dort nun jegliche Aktivitäten aus dem eigenen Netzwerk. Ein ‚live Lifestream‘ in Twitter- bzw. Friendfeed-Manier also. Aufgrund der Fähigkeit von Facebook, Ereignisse aus externen Anwendungen wie z.B. Delicious oder Flickr zu importieren, erinnert es eher an Letzteres. Sieht man mal von der Tatsache ab, dass Friendfeed bis dato noch einen wesentlichen Vorsprung vor Facebook hat, was die Anzahl der aggregierbaren Dienste anbelangt, stellt sich die Frage: „Braucht es Friendfeed dann überhaupt noch?“. Immerhin ist die Nutzerzahl von Facebook wesentlich höher als die des ziemlich geekigen Friendfeeds.

 

Soweit richtig, dennoch gibt es einen elementaren Unterschied: Facebook ist ein geschlossenes System, Friendfeed ein offenes. Nicht nur sind Friendfeed-Profile auch ohne Registrierung für Andere einsehbar, hinzu kommt, dass im Gegensatz zur „Freundschaft“ auf Facebook kein gegenseitiges Einverständnis nötig ist, um die Inhalte einer Person zu sehen. Halte ich die gebündelten Aktivitäten von jemandem für Interessant, folge ich Ihm bei Friendfeed und verpasse fortan nichts mehr. Bei Facebook hingegen muss auch ich als interessant genug empfunden werden um eine Freundschaftsbestätigung zu bekommen. Denn eigentlich, auch wenn nicht jeder dies so sieht, ist Facebook eine Plattform zur Vernetzungen mit Real-Life-Kontakten.

Wie also sieht eine mögliche Koexistenz der beiden Dienste aus? Denn, soviel ist sicher, für den 08/15 User ist Friendfeed derzeit kaum interessant und durch das Facebook-Update nahezu redundant geworden. Die Daseinsberechtigung von Friendfeed ergibt sich in meinen Augen durch die Offenheit des Services. Daher sehe ich seine Zukunft als Publishing-Aggregator. Veröffentliche ich relevante Inhalte für den Rest der Welt an verschiedenen Stellen des WWW so sind sie bei Friendfeed bestens gebündelt aufgehoben. Triviales, wie meine neusten Flickrbilder (außer ich bin Fotograf) oder meine Lieblingssongs (außer ich promote Musik) haben dort in meinen Augen nichts mehr zu suchen. Diese Informationen will ich in der Regel eher mit meinen privaten Bekanntschaften und Freunden teilen und dies kann ich bestens über Facebook.

Solch eine professionelle, öffentliche, Nutzung macht es natürlich nötig, den eigenen Content besser Filtern zu können. Hier sollte Friendfeed arbeiten. Etwa sollen z.B. nur meine Twitterupdates mit einer URL, oder meine Flickrfotos mit dem Tag ‚Business‘ in meinem Feed erscheinen. Eine derartige Spezialisierung würde außerdem natürlich dazu führen, dass Friendfeed nur für eine (noch) kleinere Personengruppe interessant wäre. Allerdings ist der Nutzwert durchaus hoch. Etwa für (Online-)Journalisten, die sich so eine umfassende Referenzliste aufbauen wollen oder für PR-Agenturen, die ihre Veröffentlichungen zielgenau und gebündelt zusammenfließen lassen wollen. Daher scheint es in meinen Augen durchaus möglich, ein Premium-Model einzuführen und künftig Gebühren zu verlangen.

Zusammenfassend: Ich sehe das „neue“ Facebook als ideale Möglichkeit in Echtzeit mit meinem engeren sozialen Netzwerk in Kontakt zu bleiben. Endlich bekomme ich sämtliche Updates meiner Bekannten zu sehen ohne von Hand suchen zu müssen. Dies macht Friendfeed natürlich massive Konkurrenz und der Service muss sein Modell überdenken. Eine Fokussierung auf professionelle Content-Aggregation und Publishing scheinen mir sinnvoll zu sein (was übrigens die Frage nach einer Namensänderung mit sich bringen würde).   

Wie seht Ihr das? Sollte Friendfeed sich verändern oder alles beim Alten belassen? Oder habt Ihr einen ganz anderen Ansatz?

Thomas Euler (@ Twitter: ThomasE)

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Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich StudiVZ weder sonderlich nützlich, noch sonderlich symphatisch fand. Dennoch bin ich dort geblieben, weil ich recht viele Kontakte hatte und man so mehr oder minder (eher letzteres) in touch blieb. Nun allerdings bin ich in meinem Feedreader auf diesen Artikel von der DonAlphonso gestoßen. Glücklicherweise muss ich sagen, denn der Account lief über eine Spamemailadresse, so dass ich ohne den Artikel vermutlich nie auf die neuen AGBs aufmerksam geworden wäre – zumindest nicht, bevor es zu spät gewesen wäre.

Dort steht nämlich zum Beispiel:

„Mit der erfolgreichen Exmatrikulation eines Nutzers ist der Account des Nutzers nicht mehr zugänglich und sind die vom Nutzer in seinem Profil (”Meine Seite”) gemachten Angaben über das studiVZ-Netzwerk nicht mehr einsehbar.“

und:

„Zudem erkläre ich mich einverstanden, dass studiVZ meine personenbezogenen Daten nutzt, um mir Marketing-Mitteilungen unter Verwendung elektronischer Post zuzusenden (z.B. zum Versand von E-Mails an die von mir für die Nutzung des StudiVZ-Netzwerkes verwendete E-Mail-Adresse, SMS-Werbung an die von mir hinterlegte Mobilfunk-Rufnummer sowie von Nachrichten mit werbendem Charakter über den Nachrichtendienst von studiVZ oder einen von mir angegebenen Instant-Messenger).“

Das war der bekannte Tropfen, der das Fass – ihr wisst schon. Also habe ich mir Gedacht: „Spread the Word!“ und meine ganzen Kontake angeschrieben, auf den Artikel hingewiesen und abschließend meinen Account ins digitale Nirvana verbannt. Vielleicht zieht ja der ein oder andere nach. Es wäre wünschenswert.

Möge dies im Übrigen auch Facebook eine Warnung sein, gar nicht erst auf solche Gedanken zu kommen. Beacon war schon ganz, ganz knapp an meiner Toleranzgrenze.

Thomas Euler

Interna:

Da ich als einer der Organisatoren des Kurzfilmfestivals XXS, das an diesem Samstag stattfindet (CineStar Dortmund, ab 19:00 Uhr, Karten im VVK), naturgemäß ziemlich viel zu tun habe, kann es diese Woche hier etwas ruhiger zugehen. Just for info.

Links:

New Study: It’s All About Product Reviews

Eine amerikanische Studie zeigt, dass mittlerweile über 60% der Konsumenten vor einer Anschaffung Online-Produktreviews lesen. Noch interessanter ist allerdings, dass von diesen Lesern fast 70% auch mit Freunden und Verwandten über diese Informationen reden. Unterstreicht die Wichtigkeit von Word-of-mouth.

Werbeoffensive im Web 2.0

Sowohl Facebook als auch MySpace schicken sich an, in Punkto Targeting zuzulegen. Nötig, wenn magere 0,04% Klickraten nach oben zulegen sollen. Wobei klassische Ad-Werbung in meinen Augen sowieso nicht den eigentlichen Möglichkeiten gerecht wird, die FB und Konsorten marketingtechnisch bieten.

Yahoo startet Geodienst und Studentennetzwerk

Yet another Social Network ist man hier geneigt zu sagen. USP soll sein, Karrierenetzwerk für Studenten zu sein. Sozusagen das Xing für Studis. An sich sicherlich kein dummer Gedanke, aber andererseits frage ich mich, warum man als anvisierter User dann nicht direkt zu Xing gehen sollte. Oder Facebook kompetent zu diesem Zwecke nutzen. Werde mir die Sache bei Gelegenheit aber mal genauer angucken.

Wenn der Chef bloggt

Artikel über Corporate Blogs beim Managermagazin. Geht der Frage nach, wann sich ein Blog für ein Unternehmen lohnen kann und wie ein solches Corporate Blog dann ausgerichtet sein sollte.

Links

HALP! Therez LOLCats Evrywhare!

Eine netzphilosophische Betrachtung über das Phänomen der LOLCats. Icanhascheezburger.com sei Dank! Meine Favoriten sind übrigens die Invisibles.

Social networks: after privacy, beyond friendship

Wie wirkt sich eigentliches extremes Social Networking auf unsere Beziehungen aus? Was wird aus dem Begriff Freundschaft? Diesen und anderen Fragen nähert sich dieser Text. Ich selbst sehe es nicht so dramatisch: Zwischen meinem Kontaktnetz im Internet und echten Freundschaften besteht einfach ein Unterschied, auch wenn es bei Facebook und Konsorten eben Friends heißt. Ist doch wie überall: Nur weil es draufsteht, muss es noch lange nicht drin sein. Solang man sich dessen bewusst ist, ist doch alles in Ordnung.

STRUMPETTE’S ENCORE: 10-Headed Hydra Eats the PR Biz

Amanda Chapel rechnet (final?) mit der Branche und ihren aktuellen Entwicklungen ab. Dabei macht sie mehr als nur einen Punkt.

Schweigepflicht über das Übliche

Udo Vetter über ein absurdes Urteil, nach dem man schlimmstenfalls künftig in der Kommunikation nichts mehr anpreisen darf, was branchenüblich ist.

Die Trennung zwischen Geheimdiensten und Polizei aufheben?

Schäuble hat scheinbar ein recht großes Problem mit unserem Rechtsstaat. Da kommt ihm wie gelegen, dass die Trennung zwischen Polizei und Geheimdiensten nirgends in der Verfassung steht. Also rüttelt er daran.

Web 3.0 – neues Internetzeitalter

Über den Suchdienst Bialex habe ich ja schon mal geschrieben. Diese Pressemitteilung fand ich dann doch irgendwie… überheblich. Warum? Sätze wie:

Eins steht ganz klar fest: Wer sich bei Bialex nicht einträgt, wird auch nicht gefunden […]

oder

„Durch diese technologische Revolution ist gleichzeitig das Semantische Problem gelöst […]“

entbehren jeglicher Grundlage in der Realität. Trommeln ist ja gut und notwendig, aber dann bitte mit Substanz.

Heute ist der lang erwartete Launch von DerWesten über die Bühne gegangen. Bereits gegen 00:30, als ich erstmals nachguckte, war es online und ich meldete mich an. Während übrigens mein üblicher Name ThomasE bereits vorgemerkt war, hatte ich doch tatsächlich Glück mit: Thomas – so simpel-dreist hat es wohl noch keiner probiert.

Eigentlich war dann auch mein Plan, das Ganze heute auf Herz und Nieren zu testen und meine Eindrücke hier zu veröffentlichen. Jedoch wäre ich damit bei bestem Willen nicht der Einzige und damit wenig kreativ gewesen; zudem ist es so: bei einem solchen Portal, das sich irgendwo zwischen Onlineangebot einer Tageszeitung (bzw. in this case: mehrerer) und Social Community etablieren will, fände ich es vorschnell, bereits nach einem Tag ein Urteil zu fällen. Daher habe ich mich dazu entschieden, ein paar Wochen ins Land gehen zu lassen, während denen ich das Portal, die Community und beider Entwicklung beobachte. Dann werde ich mich umfassend dazu äußern.

An dieser Stelle sei also nur in knappester Form mein erster Eindruck geschildert: Durchwachsen mit Tendenz ins Positive. Für ein deutsches Verlagsprodukt, das in Eigenregie aufgebaut und nicht eingekauft wurde, gradezu revolutionär. Viele Feature sind auch wirklich nett und brauchbar, manches fehlt mir und wieder anderes finde ich unglücklich gelöst. Aber wie gesagt: Ein fundiertes Urteil braucht eine gewisse Zeit.

Unsere Welt verändert sich mit enormer Geschwindigkeit. Dem gegenüber steht ein System von Normen, die das Miteinander im alltäglichen Leben regeln, kurz die Etikette. Die jedoch ist weitaus schwerfälliger als die Technik. Mittlerweile ist es also berechtigt, sich Gedanken darüber zu machen, wie sich jener Wandel auf die Umgangsformen auswirkt.

Nun stellt sich mir grade folgende Frage: Wie verhält es sich mit ‚Freundesanfragen‘ in einem Social Network, wenn es sich um eine berufliche Beziehung handelt, in der die Hierarchien klar sind? Beim Händeschütteln wäre es ebenso klar, wie beim Anbieten des „Du“: der Höherstehende würde hier das jeweilige Angebot machen. Ist dies aber auf das eigentlich hierarchielose Beziehungsgeflecht eines SN übertragbar? Oder gilt hier viel mehr der Grundsatz, dass eben derjenige anfragt, der den anderen zuerst entdeckt? Vielleicht auch alles sinnlose Gedanken, weil in Zeiten der totalen Vernetzung solche altbackenen Prozeduren nur kommunikations- und damit schlimmstenfalls auch innovationshemmend wirken?

Ich weiß es nicht und lasse mich hierüber gerne aufklären.

SNsCollage Ich gestehe: Seit einigen Tagen verspüre ich ein Kribbeln im Bauch. Vielleicht habe ich mich verliebt. Noch will ich es mir eventuell nicht ganz eingestehen, aber doch, es könnte sein. Es wäre das erste mal, dass ich mich einem Social Network geschlagen gebe. Aber mir scheint: Facebook hat dieses Potential.

Ich habe schon ein paar durch, genauer gesagt bin ich ein Internetkind der, naja, zweiten Stunde. Ich kenne noch klassische Forencommunities und als Uboot seinerzeit neu war, hatte ich dort einen Emailaccount – die ganzen „make friends“-Optionen interessierten mich nicht weiter. Dann lange Zeit nichts und irgendwann dann OpenBC, jetzt Xing. Das war grade heiß als ich mein Praktikum in der Cosmopolitanredaktion machte und natürlich schaute ich mal rein. Vermutlich ganz nützlich, aber irgendwie mochte der Funke nicht überspringen. Außerdem kostete es Geld und als Praktikant und dann Student ist dies die knappeste Ressource. Das gleiche Problem hielt mich dann auch davon ab, ein Fan von StayFriends zu werden.

Dann boomte StudiVZ und daher war für meine Altersgruppe auch jedes Stayfriends überflüssig (weshalb es auch keine lange Halbwertszeit haben wird). Anfangs war es ganz nett – dieser und jener alte Schulkamerad, ein neuer Mitstudent da, der macht nun dies und jener das. Ja, ein paar Tage war es ganz kurzweilig, sich so voyeuristisch zu betätigen. Aber allmählich schwand der Reiz. Nachrichten kann ich auch via Email verschicken, außerdem gibt es ja das Telefon. Gruppen sind kaum zur Diskussion geeignet, da das Forensystem nichtmal mit dem schlechtesten kostenlosen Forenhoster mithalten kann, und stellen somit kaum mehr da, als ein einzeiliges Statement auf dem eigenen Profil.

Somit ist mein derzeitiges Nutzungsverhalten dieses: alle paar Tage gucke ich bei StudiVZ rein, immer wenn ich grad dran denke, und sehe: Ah, wieder keine Nachricht, nichts auf der Pinwand und tschüß. Es bietet schlicht keinen wirklichen Mehrwert. Außer vielleicht dann und wann, wenn mich ein Freund anruft und sagt: „Mensch, da hab ich ein heißes Mädchen kennengelernt, guck dir die mal bei StudiVZ an“. Dann gucke ich nach, fühle mich als Voyeurist aber denke: Wer sein Profil nicht schützt ist ja auch selber schuld. Dank dieser eigentlichen Entäuschung haben mich dann Wer kennt wen, Lokalisten und Co. nie wirklich gereizt.

Und so waren bis vor ein paar Tagen Social Networks zwar immer irgendwie da, aber auch stets irgendwie ohne Relevanz und ohne Nutzwert. Aber nach immer mehr positiven Berichten über Facebook, etwa hier oder hier, gab ich dem StudiVZ-Vorbild auch mal eine Chance. Nach ein paar Minuten waren meine Gedanken: Wow! Cool. Was das alles kann! Oh, sowas gibt es auch, wahnsinn! Warum hat StudiVZ sowas nicht? Applications, ist ja cool.

Was es ist, das mich so euphorisch stimmt? Die Fähigkeit von Facebook, alle möglichen anderen Inhalte seiner eigenen Webaktivitäten zu bündeln und auf einer Seite zu aggregieren, was Facebook dank seiner offenen Struktur und den so möglichen Applications kann. Das ist durchaus clever uns sehr relevant, denn erstmals kann ich wirklich simpel mein getwittere, meine Bloginhalte, meine Bookmarks etc. zusammenführen und mir so eine universelle und (ganz wichtig:) kontrollierbare Webidentität schaffen.

BlogTwitFB

Das aber alleine ist erst der halbe Clou. Wirklichen Mehrwert bietet Facebook erst dadurch, dass all diese Aktivitäten in Form des Mini-Feeds gebündelt werden und automatisch in meinem Netzwerk weitergeleitet werden. Während man also für wirkliche Neuigkeiten in seinem Bekanntenkreis bei StudiVZ mühsam jedes Profil abklappern muss, in der Hoffnung, dass die Leute sowas auf die eigene Pinwand schreiben, weil es Minifeeds eben nicht gibt, bekommt man es bei Facebook geliefert. Es ist, reduziert auf einen Satz, nicht mehr und nicht weniger als die Schaffung eines automatisierten Kommunikations- und Neuheitennetzwerks zwischen Menschen.

NewsfeedFB

Das finde ich äußerst spannend und extrem nützlich. Warum die Liebe trotzdem noch nicht voll entbrannt ist? Nun, noch habe ich kaum ein Netzwerk und bemühe mich erstmal darum, die Schaar der StudiVZ-Jünger zu bekehren. Dann wird sich das begeisternde Konzept in der Praxis bewähren müssen. Allerdings spricht vieles dafür, dass dies durchaus gelingen kann. Schöne neue Welt!

Thomas Euler